arcin Czubala hat sich offensichtlich erfolgreich beim erfolgsverwöhnten Berliner Techno-Label Mobilee eingelebt. Erst 2007 kam er zum eingespielten Team hinzu. Bereits jetzt, ein Jahr später, kommt ihm die Ehre zuteil ein Album zu veröffentlichen – das erfreulich verspielt ausfällt.
Dass Marcin Czubalas musikalischer Horizont weiter reicht als bis zum nächsten Techno-Plattenladen ist spürbar und kommt der Platte entsprechend zugute. Als klassisch ausgebildeter Musiker verdingte sich Marcin insbesondere Anfang der 1990er mit etlichen, genauer gesagt über 300 Konzerten, unter anderem mit dem polnischen Experimental-Komponisten Krzysztof Penderecki, dessen Werke von Kubrick bis Lynch auch in der Filmwelt geschätzt wurden. Seit seinem Abschluss in Musik im Jahr 1995 in Posen, widmet sich Marcin aber eben auch elektronischer Musik. Er gründete das erste polnische Technolabel, Currently Processing, releaste fleißig, unter anderem bei Neue Heimat und Morris Audio, um nun seine Platten bei Mobilee zu vertickern.
Genau wie der Titel des Album „Chronicles of Never“ überraschend gebrochen ist, verhält es sich auch mit der Musik. Marcin spielt viel mit Erwartungen, die Tracks haben oft überraschende Wendungen, Gegensätze werden verschmolzen und verlieren ihre Widersprüchlichkeit.
Dabei beginnt das Album vermeintlich konventionell. „Daybreak“ eröffnet flott, hat treibenden Groove und damit das Ticket für den Dancefloor, verbleibt aber überraschend als Elegie ohne wilden Höhepunkt zu finden, und zeigt seine Vorzüge vielmehr in dem detailliert ausstaffierten Wogen und Branden der Klangwellen.
„Berolina“ knüpft an die Cluberwartung an, klingt manchmal wie M_uns, manchmal nach Tresor. Wabernde Delays treffen auf kristallklaren Minimal, weibliche Voice-Samples steuern noch eine gewisse Sexyness bei.
Allerdings ist das Album auch erheblich von Marcins offenkundiger Sympathie zu experimentelleren Arrangements geprägt. „Alibi Room“ ist mit unverständlicher Gesprächskulisse unterlegt, beginnt bouncig minimalistisch, beginnt nach rund vier Minuten mit neuen Tunes und Beats und überrascht in Minute fünfeinhalb mit zurückkehrendem Menschengelaber und einem längeren, ganzschön versonnenem Akustik-Bass-Solo. Bis zum Ende des Songs nach über elf Minuten gibt’s natürlich noch mehr zu erleben. In „Dazed and Confused“ wird hingegen schon wieder mehr geklickert und geklackt. Stets schwebend zwischen verkopften IDM-Arrangements und four-to-the-floor-convenience.
Keine Frage, „Chronicles of Never“ ist klasse. Kompromisslosen Clubbern mag es womöglich nicht rough genug sein (in diesem Fall hätten sie aber „Pravda“ überhört) und Experimental-Nerds würden die zu große Zugänglichkeit bemängeln. Dennoch macht Marcin Czubala ganz einfach Musik, die ungeheueren Spaß macht. Er weiß in jeder Sekunde, was er tut und hat das Alter, die Erfahrung und die Eier seinen eignen Weg zu gehen. Minimal klingt eh zu oft zu gleichen, also: Guter Move!










