ass die Disco Boys nicht die ausgefallensten Mixes der Welt machen, ist kein Geheimnis. Dass sie krass erfolgreich sind auch nicht. Aber ist nun die neunte Auflage ihrer Compilation-Reihe eine Bravo-Hits-CD für Großraumdiscogänger oder ein Stück DJ-Kunst in 42 (!) Akten?
Erstmal hat House selbst ja ein massives Image-Problem. Die angesagten Clubs zocken Techno und die kleineren Durchschnittsclubs Rap oder Indie und die „seriösen“ Medien ignorieren House komplett (checkt mal De:bug, Groove, Intro, Spex und so!). Die einzigen „Reviews“ zur „Disco Boys Vol. 9“, die man so auf die Schnelle im Web findet, sind copy&pastes vom Pressetext auf pseudojournalistischen Blogs.
Trotzdem – und das heißt unter den Vorraussetzungen definitiv was – chartete fast jede Compilation der Disco Boys in die TOP10 und ihre Touren machen die Herren Raphael Krickow und Gordon Hollenga reich.
Ein bisschen zeigt auch die „Disco Boys Vol. 9“, worin der Grund für die stiefmütterliche Behandlung liegt. House ist eben per Definition Musik, die nicht allzu viele Kanten hat, sondern mit moderaten Extrempunkten eher zum Trinken von Caipirinha als von Wodka-Energy einlädt.
Dabei geht es eigentlich wirklich straight forward los. Super witziges Intro und gleich hinterher einer der besten Tracks der gesamten Compilation mit „What A Wonderful World“ von Axwell & Bob Sinclar featuring Ron Caroll. Weitere große Highlights sind definitiv noch der Track „Show“ von Tom Stephan mit Laidback Luke und Romanthony "Show" und „Been A Long Time“ von TV Rock feat. Rudy im Remix von Laidback Luke. Letztgenannter ist an vier Tracks beteiligt und sein etwas technoiderer Background bringt merklich Schwung ins Set.
Überhaupt sind tatsächlich eher die Abstecher ins Techno-Revier für die großen Banger verantwortlich. Das (mit Ausnahmen) sehr gute letzte Drittel der zweiten CD beginnt mit Larry Tee und Princess Superstar und ihrem Track "Licky (Work It Out)" im Hervé Goes Low Remix – Killer!
Aber auch der Dig von Sebastien ist ein guter Move, dessen Name gleichermaßen an einen Ed Banger-Artist erinnert wie sein fiebrig-verrückter Track „Momy“.
Leider gibt’s auch ein paar Fehlgriffe, die in der Club-Dynamik vielleicht noch klargehen, gepresst aber doch irritieren. Nach rund einer Stunde ohne Vorwarnung Rick Astleys „My Arms Keep Missing You“ von 1987 zu bringen ist nicht nur mutig, sondern erinnert auch eher an die Turntable Hools. Ähnlich unwitzig ist Balkan-Schlager „Disco Boy“ von Shantel, Titel hin oder her.
In jedem Fall zeigen die Disco Boys aber durch ihren Mix, wieso sie zu recht erfolgreich sind. Ihre Art zu Mixen ist unauffällig im positiven Sinne. Sie nerven nicht mit dem Ausreizen ihrer Skills, sondern verschreiben sich bedingungslos dem Party-Erlebnis. Das heißt aber nicht, dass das Ergebnis nicht mitunter auch spektakulär sein kann. Die Übergänge könnten smoother nicht sein und Delays und Reverbs, die zu oft zu grob angefasst werden, kommen passgenau zum Einsatz. In diesen Momenten wird deutlich, dass die leichte Bekömmlichkeit des Mixes großer Erfahrung und viel Arbeit geschuldet ist. Und nicht zuletzt dafür sollte man die Disco Boys respektieren. Und feiern.










