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"Teilzeithippie" von Annett Louisan
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"Teilzeithippie" von Annett Louisan

ie fotogenste Frau im deutschen Musik-Biz beschreibt mit dem Album „Teilzeithippie“ ein neues Kapitel in ihrer anhaltend steilen Karriere. Annett Louisan lässt gespielte Naivität und Chanson hinter sich. Stattdessen gibt’s Pop mit erstaunlich viel Nachdenklichkeit.

Der Schritt ist gleichermaßen mutig wie notwendig. „Wenn ich weiter gemacht hätte wie bisher, wäre ich einer Masche gefolgt. Und wenn man seine eigene Masche erkennt, sollte man sie am besten fallen lassen, denn das Leben ist Veränderung“, meint Annett Louisan und hat ganz schön recht. Allerdings gibt die Sängerin auch ein Stückchen Identität auf, wenn sie nicht mehr die kleine Chanson-Exotin ist. Aber die kann man ja zurückgewinnen.

Dabei ist der Schnitt auch nicht ganz so drastisch. Ernstere Stücke gab es schon früher wie „Das Liebeslied“ auf „Bohème“ oder „Ende Dezember“ auf „Das Optimale Leben“. Und so ganz vollständig hatte Annett Louisan ihre Seele auch nicht an den Chanson verkauft, andere Einflüsse gab es immer. Aber es ist natürlich schon nicht ganz unpraktisch einen stilistischen Bezugspunkt im Album zu haben.

Und tatsächlich: Zwar geben Annetts Stimme und die Texte alles um die Stücke zusammenzuhalten, ein paar instrumentelle Abenteuer trüben dann doch das Gesamtbild. Der swingende Country-Song „Sexy Loverboy“ versucht zwar so samtig wie möglich zu sein, ist aber eher nervig. In „Je später der Abend“ ist der Country nicht ganz so gewollt, der vorsichtige Einsatz von Mundharmonika und Banjo passt aber schon viel besser.
Etwas daneben ist leider auch „Ich brauch Stoff“. Der Track versucht mit Junkie-Metaphorik Konsumkritik zu üben, was allerdings erstens zu Annett Louisan so gut passt wie Paintball und zweitens sprachlich recht altbacken ist und eher an Christiane F. erinnert.

Umso schöner fallen die vielen ruhigen Stücke aus. Annetts freundlich-warme und unangestrengte Stimme schafft es ernste Gedanken und manchmal traurige Gefühle ohne Schwermut sondern mit angenehmer Leichtigkeit auszudrücken. Je ruhiger die Instrumentierung umso intimer ist die Gesangssituation wie in „Wir nicht“, „Das schlechte Gewissen“ oder „Gedanken lesen“. Und manchmal entfaltet sich sogar an der ein oder anderen Stelle eine gewisse Sinnlichkeit und schattenhafte Erotik. Das liegt auch an der großartigen Aufnahme des Gesangs, die wirklich sehr authentisch ist. Auch super: „Gedanken lesen“ und „Auf dich hab ich gewartet“.

„Teilzeithippie“ ist ein gelungener Neubeginn, aber keine krasse Zäsur. Die erste Single „Drück die 1“ und Teilzeithippie, beide recht lebendig, dürften viel Airplay kriegen. Der Rest ist ein wunderbares Album für Herbst und Winteranfang, an dem zum Beispiel auch Emiliana Torrini-Fans Freude haben können. Alle Fans der ersten drei Alben werden nicht enttäuscht.

S. Krutzinna
titel
01 Das schlechte Gewissen | 02 Sexy Loverboy | 03 Gekommen um zu sagen | 04 Die Siezgelegenheit | 05 Ich brauch Stoff | 06 Die nächste Liebe meines Lebens | 07 Wir nicht | 08 Drück die 1 | 09 Teilzeithippie | 10 Gedanken lesen | 11 Ich bin dagegen | 12 Je später der Abend | 13 Auf dich hab ich gewartet
Release: 17.10.08 bei 105 Music
|http://www.105music.com|
Künstler-Homepage: http://www.annettlouisan.de
cover
Bewertung:
4/5