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"Freiheit" von Curse
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"Freiheit" von Curse

reeeiheeeeit. Freeeeihaaa aa aaa aa eit. Was auch immer in Produzent Claud da nachts in seinem Studio vorgegangen sein muss als er sich dachte: „Ach, ich sample jetzt mal Marius Müller-Westernhagens größten Hit und hoffe dem Curse gefällts und dem Marius vielleicht auch“ – es stellte sich als gute Idee heraus.

Schon ohne einen Ton veröffentlicht zu haben, ließ Curse die Tastaturen der Blogger aufgrund der ungewöhnlichen Zusammenarbeit glühen und sein Album war in aller Munde. Nachdem dann die ersten Infos zum Album folgten war schnell klar: Dies wird insgesamt ein ungewöhnliches Album. Kein einziges Rap-Feature, dafür viel Gesang. Von Xavier Naidoo über Silbermond (!) bis hin zu Jaguar Wright (!!) ließ Curse ein Line-Up antanzen, was so schnell wahrscheinlich von keinem deutschen Album übertroffen wird. So war die Ansage dann auch: Ein bisschen weg vom HipHop, hin zur Musik.
So ganz 100% ist das dann doch nichts geworden. Auf den beiden Tracks „Fantastisch“ und „Gold“ wird schnell klar, dass auch Curse sich gedanklich doch manchmal noch im Rap-Zirkus wieder findet. Leider ist „Gold“ auch der schlechteste Track der Platte geworden. Ich kann schon verstehen, dass auch ein Curse mal Bock hat einen Nonsense-Track zu machen. Aber der hier ist leider nicht cool.
Curse kann andere Sachen besser. Feel-Good-Rap zum Beispiel. Die Single „Freiheit“ ist natürlich pathetisch ohne Ende, aber die Gänsehaut beim ersten Mal hören kam nicht wie so oft vom Fremdschämen. Ein bisschen leiser aber auch wirklich schön ist z.B: „Nur ein ganz kleines bisschen“ über einen klasse Beat von DJ Farhot, der alleine schon ausreicht um sich 4 Minuten gut zu fühlen. In die gleiche Kategorie sollte auch „Stell dir vor“ mit Xavier Naidoo fallen. Der bombastische Monroe-Beat liefert auch beste Vorraussetzungen, doch macht es sich Curse hier mit dem Songwriting ein bisschen einfach. Ähnlich wie bei „Warum Nicht?“ vom „Von Innen nach Außen“-Album zählt er Dinge auf, die die Welt schöner machen würden: „Stell dir vor, es gäbe gar kein AIDS/ Stell dir vor, wir hätten kostenlose Medizin und Heilung für Krebs“. Ja, wäre schön. Und jetzt?
Manche Sachen kann Curse nahezu perfekt. Geschichten erzählen gehört dazu. Der Track „100 Jahre“, der über das Schicksal vier gebeutelter aber starker Menschen berichtet, berührt wie kaum ein anderer Curse-Track zuvor. Ein wahres Meisterstück ist „Lila“ mit Jaguar Wright über einen unglaublich atmosphärischen Beat des Niederländers Nicolay. Es wird die herzzerreißende und gleichzeitig grausame Geschichte eines kaputten Mädchens erzählt. Ich will nichts vorweg nehmen, es gibt eine krasse Wendung in der Story. Muss man hören, absolut verstörend. Genauso intensiv, aber viel freundlicher ist „Baby“ mit Sängerin Nneka, eine Art Brief an sein ungeborenes Kind. Großartiger Song.
Naja, das Aushängeschild von Curse, der Beziehungs- und Frauenrap, darf natürlich auch nicht fehlen. Egal ob extrem lyrisch wie „Wenn ich die Welt aus dir erschaffen könnte“ oder extrem singletauglich (im positiven Sinne) wie „Bis zum Schluss“ mit Silbermond. Kaum ein anderer Rapper kann unpeinlicher und realitätsnäher über Frauengeschichten rappen als dieser Mann.

Es gibt wie gesagt 1-2 kleine Dinge die stören bei diesem großen Album. Das tut dem Gesamteindruck allerdings nur minimalen Abbruch. „Freiheit“ ist genau das, was man von Curse erwartet hat. Ein erwachsenes, melodisches, gehaltvolles Album.

M. Schmutzer
titel
01 Der Lange Weg Zur... | 02 Freiheit | 03 Stell Dir Vor (mit Xavier Naidoo) | 04 Schöne Wahrheit (mit Chima) | 05 Nur Ein Ganz Kleines Bisschen (mit Jenny Willemstijn) | 06 Gold | 07 100 Jahre | 08 Ich Kann Nicht Mehr (mit Clueso) | 09 Baby (mit Nneka) | 10 Feier Dich Selbst (mit Patrice) | 11 Lila (mit Jaguar Wright) | 12 Wenn Ich Die Welt Aus Dir Erschaffen Könnte | 13 Bis Zum Schluss (mit Silbermond) | 14 Fantastisch
Release: 21.10.08 bei Alles Real Records
|http://www.alles-real-records.de|
Künstler-Homepage: http://www.curse.de
cover
Bewertung:
4/5