„n Shore Remain“ heißt das zweite Album der Berliner Band Ofrin. Das könnte irgendwas heißen wie „an Land bleiben“. Das tut die Avantpop-Band um Sängerin Ofri Brin aber gerade nicht: Schon das Artwork ziert eine verpixelte Unterwasserästhetik. Und dann dieser Sound... *glucks glucks*
Da tupft ein Fender Rhodes dumpfe Akkorde auf den Meeresboden, den man wie ein Rochen mit starrem Blick gleichmäßig erkundet. Vom Klavier schillern nur die höheren Frequenzen durch einen Algenteppich. Die akustische Gitarre taucht so plötzlich auf wie der Lampenfisch, der uns auf unserem Weg in die Tiefsee immer mal wieder begleitet.
Hört sich jetzt an wie ein Soundscape für Unterwasser-Dokus, aber „On Shore Remain“ bietet vor allem Popsongs, die größtenteils auch noch sehr catchy sind. Die Urheber derselben sind Sängerin Ofri und Oded K.Dar (KD genannt), die sich während Ofris Militärzeit in ihrem Geburtsland Israel kennen gelernt haben. Während es Ofri, die zuvor schon ein halbes Jahr lang New Yorks Jazzclubs erkundet hat, zunächst nach London zieht, siedelt KD nach Berlin über. Offenbar gefällt es ihm so gut, dass er sie als musikalische Partnerin und Freundin überzeugen kann, nachzukommen. Ein Glück! Bands mit einer derartigen Klasse findet man sonst nur in skandinavischen Jazz-Clubs oder britischen Trip-Hop-Labels.
Bald wird der ehemalige Bassist der Einstürzenden Neubauten, Mark Chung, auf das Paar aufmerksam und produziert und verlegt ihr Debütalbum „Rust and Velvet“. Ofrin haben offenbar ein hervorragendes Kontaktnetzwerk, wie die anschließende Zusammenarbeit mit FKP Scorpio beweist. Bände spricht auch, dass sie für „On Shore Remain“ mit Eddie Stevens einen hervorragenden Produzenten verpflichten können. Der Brite war früher bei Moloko als Keyboarder beschäftigt und arbeitete nach deren Trennung mit Sängerin Róisín Murphy an ihren Solo-Alben.
So ist der Sound auch das Markenzeichen auf „On Shore Remain“. Jeder Song versprüht einen eigenen Zauber, was vor allem dem Einsatz elektronischer Stilmittel zu verdanken ist. Da gibt es Klänge... Wahrscheinlich hat sich da mal jemand mit einem Mikrofon in einer Moränenwohnung zu schaffen gemacht, oder vielleicht ja auch vorher nie gehörte Laute von Lampenfischen eingespeist.
So eine Unterwasserwelt birgt halt vieles, was man noch nie gesehen oder gehört hat. Wenn dann Störgeräusche wie aufwirbelnder Meeressand die düsteren Kompositionen verschleiern und Ofris Stimme mit einem von vielen Korallen reflektieren Echo in Wettstreit tritt, wird man der Bildlichkeit fast schon überdrüssig.
Ofrin wurden gerade von zwei Förderwettbewerben in die engere Auswahl gezogen: Sie wurden mit u.a. Prinz Pi und 1000Robota in die erste Förderrunde der Initiative Musik (|http://www.initiative-musik.de) aufgenommen und werden als „Talents“ von der Volkswagen Soundfoundation (http://www.soundfoundation.de) gefördert. Vielleicht bekommen sie da noch ein paar Tipps, wie man die Spannung einen Tick höher setzen kann – etwas anstrengend gerät das Hören von „On Shore Remain“ dann nämlich doch. Ansonsten bin ich aber sehr gespannt, was da noch so aus den blauen Tiefen kommt.











