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"Of All The Things" von Jazzanova
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"Of All The Things" von Jazzanova

on Jazzanova sind im Lauf der Jahre sehr viele Remixe erschienen, mit denen sich das sechsköpfige DJ-/Producer-Kollektiv aus Berlin weltweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Das Album-Format bemühen die Jungs jetzt aber erst zum zweiten Mal – kein Wunder, bei dem Produktionsaufwand.

Auf den Promobildern zu ihrem neuen Album posieren Jazzanova mit gezückten Fotoapparaten. Das passt zu ihrer Herangehensweise an das Albumformat, denn hier drehen sie den Spieß um! Jetzt sind Jazzanova nicht mehr diejenigen, die mit anderer Leute Aufnahmen jonglieren und daraus Clubhits basteln. Für „Of All The Things“ sind sie in der Musikschöpfungskette einen Schritt zurück gegangen, haben nicht nur alte Samples verwendet, sondern auch neue selbst aufgenommen. Entstanden ist eine Platte, die sich im Wohnzimmer unglaublich gut anhört, aber auch reichlich Material für Remixe zur Verfügung stellt.

Zunächst fallen natürlich die herausragenden Gastsänger auf. Leon Ware, einst Writer/Producer für Marvin Gaye, covert sich selbst gemeinsam mit Dwele; Joe Dukie von Fat Freddy's Drop hat einen tighten Song; besonders gut gefallen mir die farbenprächtige Stimme von Ben Westbeech, eine intensive Performance von Paul Randolph und ein sehr nahe gehender Song mit José James.
Das eigentliche Meisterstück auf „Of All The Things“ sind aber die ausgefeilten und umfangreichen Arrangements. Vom Streichorchester über die Jazz-Combo bis zum Background-Chor wurden weder Kosten noch Aufwand gescheut.

Erstaunlich auch, wie geschlossen das Album trotz all der unterschiedlichen Stile wirkt. Die Soul-Nummer „Rockin' You Eternally“ widerspricht sich nicht mit dem Latin-Stück „Gafiera“, ein sehr jazzig geratener Song wie „Morning Scapes“ rundet den Rahmen eher ab, als ihn zu sprengen. Eine klare Handschrift im Sound gepaart mit klugen Arrangements macht das möglich. Sogar noch mehr: Selbst Rapper Phonte wirkt nicht wie ein Fremdkörper, zumal sein Song „Far From Home“ auf clevere Art Material des vorher schon gehörten „Let Me Show Ya“ recycelt. Eine puzzleartige Arbeitsweise, die Alexander Barck, Jürgen von Knoblauch, Claas Brieler, Roskow Kretschmann, Stefan Leisering und Axel Reinemer aber hervorragend beherrschen.
Das Niveau auf „Of All The Things“ bleibt konstant hoch; besonders hervorzuheben sind aber die düstere Ballade „Little Bird“ und das gemächlich funkige „Let Me Show Ya“, bei denen mich wirklich eine Gänsehaut überkommt. Mit solchen Hits spielen Jazzanova in einer Liga mit Gnarls Barkley oder Anthony & The Johnsons.

„Wir haben mit dieser Arbeitsweise die Grenzen eingerissen" sagt Stefan Leisering, „unser Ziel war nicht minimal sondern maximal.“ Der Produktionsaufwand hat sich gelohnt. „Of All The Things“ klingt aktuell und trägt dabei doch stolz den Glanz einer anderen Zeit.

K. Haller
titel
01 Look What You're Doin' To Me feat. Phonte | 02 Let Me Show Ya feat. Paul Randolph | 03 I Can See feat. Ben Westbeech | 04 Lie feat. Thief | 05 Little Bird feat. Jose James | 06 Rockin' You Eternally feat. Leon Ware & Dwele | 07 So Far From Home feat. Phonte | 08 What Do You Want? feat. Joe Dukie | 09 Lucky Girl feat. Paul Randolph | 10 Gafiera feat. Pedro Martins & Azymuth | 11 Morning Scapes feat. Bembe Segue | 12 Dial A Cliche feat. Paul Randolph
Release: 24.10.08 bei Verve Records
|http://www.ververecords.com|
Künstler-Homepage: http://www.jazzanova.de/
cover
Bewertung:
5/5