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"Neopunk" von Prinz Pi
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"Neopunk" von Prinz Pi

igentlich wollte ich diese Review nach einer völlig durchfeierten Nacht beim letzten Bier schreiben. Das wäre irgendwie mehr „Schädelficken“ gewesen. Hat in den letzten Tagen irgendwie nicht so geklappt. Also nun doch morgens beim Espresso.


Aber das passt irgendwie nicht ganz so gut zu „Neopunk“. Über weite Strecken ist das hier doch schon Randalemusik. Das ist sehr gut für die anstehende Tour, nicht so gut für Donnerstagmorgen.
Eine neue Art von Rap wollten Prinz Pi und Biztram mit diesem Album machen: „Neopunk“. Nach dem Motto „Die CD ist ein Omlette, vier Eier drin“ haben die beiden zu zweit und wohl auch relativ gleichberechtigt festgelegt, wo die Reise hingehen soll. Das Album ist eine ganze Ecke elektronischer geworden als die vorherige Pi-Musik. Ab und zu ballern auch mal harte Gitarren plötzlich los. Es ist Musik des Jetzt. Ob bewusst oder nicht, die beiden haben Mucke gemacht, die wie ein Mix der angesagten Stile klingt. Ein bisschen Techno, bisschen Electro, bisschen Grime, bisschen Gitarre dazu und natürlich Rap. Deswegen sollte man „Neopunk“ eher nicht als Schaffung eines neues Genres betrachten sondern eher als Fusion. Ein Punk in textlicher Hinsicht war Prinz Pi ja schon immer ein bisschen und das lebt er auch hier wieder aus. Medien-, Gesellschafts- und Rapkritik, das Ankämpfen gegen den Bohlen-, Barth- und Klumschwachsinn. Das sind Themen die auf Neopunk eine wichtige Rolle spielen.
Selbst auf vermeintlichen Partytracks wie „Gib dem Affen Zucker“, der auf Studentenpartys sicher gerne nach „Remmi Demmi“ gespielt werden wird, finden sich solche Anspielungen. Gepaart übrigens mit arroganten Lines wie „Jay-Z soll von der Hauptbühne! Ich will was freestylen!“. Das macht Spaß. Der zweite augekoppelte Track „Schädelficken“ geht ähnlich ab, „Sound für die ADS- und Tourette-Patienten“ trifft es ganz gut. Richtig Abriss ist allerdings erst bei „Schlag die Faust“ angesagt, bei dem Casper vorbeikommt um in der Hook ein bisschen Ton Steine Scherben-Referenzen rumzuschreien. Man merkt deutlich, dass hier Wert auf Live-tauglichkeit der Tracks gelegt wurde. Das ist meistens gut, wurde aber z.B. auf „Spring!“ mit Animationsrefrain ein bisschen übertrieben.
Es gibt aber auch typischere Pi-Tracks, die den „alten“ Fans wahrscheinlich besser bekommen: „2030“ ist ein ruhigerer Track mit angenehm relaxten Beat, bei dem Pi aus dem Jahr 2030 seinen Kindern das Jahr 2008 erklärt. Sehr kreativ und ein bisschen beängstigend. „Bevor ich aufschlage“ ist ein sehr nachdenklicher Track, bei dem sich Fans mit abgeschlossenen Psychologie-Studium gerne ein bisschen austoben können. Wo sind die Verschwörungstheorien? Auf „Schläferstündchen“, alles gut.
Man merkt es geht ein bisschen rauf und runter bei dem Album. Das braucht man aber auch, weil 60 Minuten nur auf die Fresse, wäre dann doch ein bisschen zu hart.

„It's bigger than HipHop“ scratcht K.I.Z.'s DJ Craft im ersten Lied. Da ist was dran, Pi hat sich von alten Strukturen gelöst und sich locker gemacht. Rausgekommen ist ein deutlich krawalligeres und unverkopfteres Album als das übergroße „!Donnerwetter!“. Das wird nicht jedem gefallen. Mir aber schon.


Anmerkung: Parallel zum Release gab es eine Austellung in der Berliner Gallerie West, bei der das Artwork von diversen Künstlern geremixt wurde. Prinz Pi selbst steuerte einige Skulpturen bei. Leider ist die Austellung schon vorbei, aber es soll zum Ende des Jahres ein „Neopunk“-Bildband erscheinen.

M. Schmutzer
titel
01 Super Seiajin feat. DJ Craft | 02 8 Bit Untergrund | 03 Gib dem Affen Zucker | 04 Kann es sein | 05 Nerdhymne | 06 Schlag die Faust feat. Casper | 07 Affen an die Macht | 08 Schläferstündchen | 09 2030 | 10 Aschenbecher | 11 Mein Blut feat. Bina | 12 Bevor ich aufschlage | 13 Schädelficken feat. Biztram | 14 Spür die Wut | 15 Wir bleiben immer Anti feat. Biztram | 16 Spring! | 17 Ein bizchen mehr feat. DJ Craft
Release: 24.10.08 bei No Peanuts
|http://www.no-peanuts.de|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/prinzpi
cover
Bewertung:
4/5