http://magagin.de/reviews/427
"John Bello Story 2" von Kool Savas
R
"John Bello Story 2" von Kool Savas

ezession im deutschen HipHop-Business. Labels machen dicht, Künstler geben auf. Doch Kool Savas hält weiterhin die Krone hoch und bringt seinen letzten offiziellen Optik-Release in die Läden. Ob das Album vielleicht die richtigen Impulse setzen kann oder ob es am Ende genauso schnell wieder aus dem CD-Player verschwinden wird wie so mancher One-Hit-Künstler dieser Tage?


2000: Im Jahr der Jahrtausendwende trifft ein junger, gieriger und extrem talentierter MC aus Berlin in einem Video erstmals auf das breite Publikum. King Kool Savas, kurz KKS, kickt in seinem Track „King of Rap“ einen Text, der mit Punchlines wie zum Beispiel: „Kool Savas, der Überking of Rap, jaw“ oder „Rap ist halbtot und ich rapp´, um Rap zu retten“, deutlich macht, dass Deutschlands Rapkönig eindeutig aus Berlin kommt. Von jetzt auf gleich wird KKS deutschlandweit bekannt und erklimmt mal eben aus dem Berliner Untergrund direkt den Rapthron. Es folgt der obligatorische Werdegang eines aufsteigenden Rappers: Künstlerische Differenzen mit dem Label, dann schließlich die Trennung vom alten und die Gründung eines eigenen Labels (Optik Records). Auch die eine oder andere Beefgeschichte mit etwaigen anderen Künstlern aus der deutschen Rap-Szene kann Kool Savas in seiner mittlerweile recht langen Karrierevergangenheit verzeichnen.
Acht Jahre später: Die Zeiten im HipHop und vor allem das Geschäft mit der Kultur haben sich seitdem grundlegend geändert. Die CD ist so gut wie tot, das MP3 ist das Medium der Stunde. Sub- und Independent-Labels können dem finanziellen Druck nicht mehr standhalten und schließen nach und nach ihre Pforten. Auch Savas´ Label „Optik Records“ ereilte jüngst dieses unschöne Schicksal. Deshalb erschien vor kurzem als letzter offizieller Optik-Release das Sequel zu Deutschlands erfolgreichstem Mixtape: Die „John Bello Story II“. Und so ungerne ich das jetzt auch sage, aber ich denke, dass „John Bello II“ durchaus in der Lage sein wird, seinen Vorgänger verkaufszahlentechnisch zu toppen. Selbstverständlich gönne ich Kool Savas und seinen Optik-Jüngern den Erfolg, vor allem von finanzieller Seite. ABER: Gerechtfertigt wäre es nicht! Vom ersten intensiveren Durchhören an stellte sich bei mir eine ernüchternde Erkenntnis ein, die sich, auch nach dem x-ten Mal die Play-Taste drücken, nicht leugnen lässt. Nämlich, dass das Album an sich ein gutes wäre, als Optik-Sampler, der es letztendlich aber ist, sich gerademal im Mittelfeld einordnen lässt. Im Grunde habe ich nichts gegen Feature-Gäste auf einem Album und ich verstehe auch, dass Kool Savas seine Optik-Jungs gerne noch ein letztes Mal versammelt auf seinem Album unterbringen wollte. Aber wieso es bei beinahe jedem Track gleich zwei oder mehr Features sein müssen und Kool Savas deshalb nie mehr als nur eine Strophe spittet, ist mir unbegreiflich. Und zudem auch völlig unnötig, hatte Kool Savas mit „Tot oder lebendig“ erneut bewiesen, dass er nach wie vor ein komplettes Album gestalten kann, ohne nervig oder langweilig zu werden. Stattdessen nervt er auf seinem neuen Release mit permanenter Abwesenheit. Eine Strophe ist eben einfach zu wenig, um längerfristig zu beweisen, dass er die Krone immer noch verdient hat. Der einzige Solo-Track, der sich auf dem Album befindet, die Bezeichnung „Track“ aber eigentlich gar nicht verdient hat, ist „Nur ein Skit“, der mit seiner Laufzeit von 1,16min. wirklich nicht mehr als ein Skit ist (obendrein besteht auch dieser Song nur aus einer Strophe und der Hook). Bei „John Bello II“ mangelt es dem „König“ allerdings nicht nur an Quantität, sondern häufig auch an textlicher Qualität. Inhaltlich sind seine Texte bei weitem nicht so ausgefeilt wie auf seinem letzten Opus, auch die Vergleiche sind bisweilen arg plump und wenig innovativ. Dafür lassen sich in seinem Flow keine gröberen Schnitzer finden – immerhin.
Die Features (siehe unten) überzeugen wenig bis gar nicht, so zum Beispiel werter Herr Sizzlac aka Moe Mitchell, der sich unter diesem Pseudonym rappend versucht und es völlig vergeigt. Schon auf Track eins „Bagger“ klingt der englisch rappende Sizzlac exakt wie Raptile und der ist nicht ohne Grund aus der deutschen HipHop-Szene verschwunden. Wenn sich der englische Wortschatz auf nicht einmal fünfhundert Worte beschränkt, sollte man nicht versuchen, damit Musik zu machen. Nur bei den gesungenen Hooks (derer gibt es reichlich) zeigt sich, dass Moe Mitchell eben doch dazu in der Lage ist. Wenig überzeugen tun auch Caput und Amar, von denen ich allerdings auch nicht allzu viel erwartet hatte, waren sie doch noch nie die begabtesten Wortakrobaten. Und Franky Kubrick rappt seit seinem Optik-Signing für mich eh nur noch in der zweiten Liga. Tatsächlich ließe sich noch so einiges, eher negatives, zu den Feature-Gästen sagen. Aber ehrlich gesagt, ist das überhaupt nicht notwendig, da die Parts der Gäste häufig so belanglos wie inhaltsleer sind.
Wenigstens auf musikalischer Ebene gibt es keinen Grund zu meckern. Die Produzenten machen ihre Arbeit gut und liefern solides Musikgut ab. Zum Teil sind die Soundgerüst schon fast verschwendet, angesichts der teilweise bitterbös schlechten und langweiligen Parts der Rapper. Richtige Banger sucht man übrigens vergebens. Auch wenn einige Beats durchaus Potenzial zeigen, fehlt die letzte Konsequenz, um wirklich nach vorne zu treiben.

Fazit: „John Bello Story II“ bleibt hinter den Erwartungen zurück. Ich bin zwar mit einer gewissen Skepsis an das Album ran getreten, hatte aber die Hoffnung, dass das Album, nach der großartigen Single, doch noch jegliche Form der Kritik unnötig machen würde. Leider ist dem nicht so. Vielmehr bietet es reichlich Grund zur Kritik, zum Beispiel, dass es sich eigentlich gar nicht um ein Kool Savas-Album handelt und es den Titel deshalb völlig zu Unrecht trägt. „Optik Takeover II“ wäre wohl besser angebracht gewesen.

Will Kool Savas den „Rapthron“ weiterhin für sich beanspruchen, muss er sich beim nächsten Mal wirklich mehr anstrengen. Auch wenn „John Bello II“ nur ein Spaß-Album werden sollte, kann ich als Konsumenten doch einen gewissen Standard erwarten und dieser wird hier über weite Strecken schlichtweg nicht erfüllt. Stattdessen skippe ich nach Savas´ Part zu oft zum nächsten Track, so anstrengend und unwichtig sind viele der Strophen der Gäste. Und auch die hundertste gesungene Hook von Moe Mitchell nervt irgendwann, auch wenn ich mich mittlerweile (wohl zu spät) an seine Stimme gewöhnt habe.



---

Anfang 2009 wird Kool Savas mit seiner Optik-Army und den neuen Songs im Gepäck Deutschland bereisen, um den Fans die „John Bello Story“ live um die Ohren zu hauen. Infos, Termine und Tickets findet ihr auf http://www.optikrecords.de/

Video zu „Beweis II – Mammut Remix“: Die Fotos vom Videodreh kursierten schon seit Mitte September in der Blogosphäre der HipHop-Szene. Jetzt ist das ganze auch als komplettes Video online zu genießen: http://www.optikrecords.de/

Hinweis I: Aufgrund der großen Nachfrage nach der „Limited Deluxe Edition“, die innerhalb weniger Tage ausverkauft war, hat sich Optik Records entschlossen, eine auf 2000 Stück begrenzte Zweitauflage pressen zu lassen. Diese erscheint dann am 10.11. und wird wohl ähnlich schnell vergriffen sein wie die Erstauflage. Unentschlossenen sei geraten, deshalb schnell zu handeln, weil Optik Records bereits verlauten ließ, dass danach endgültig Schluss sei: „Danach ist Schicht im Schacht, Ende Gelände und aus die Maus. Egal wer sich beschwert. Die letzte Möglichkeit sich das Sammlerstück zu holen. Noch einmal lassen wir uns nicht überreden.“ Die „Limited Deluxe Edition“ kommt wie die „Premium Edition“ mit zweiter CD, voll mit fünf neuen Tracks, zwei Remixen und dem Video zur Single „Krone“ daher. Darüberhinaus gibt´s zusätzlich ein A3-Poster und eine Live-DVD obendrauf.

Hinweis II: Schenkt man den Gerüchten im Internet etwas Aufmerksamkeit und Glauben, so erfährt man neuerdings, dass S-A-V angeblich an einer Neuauflage seines Mixtapes arbeite. Grund dazu sei wohl die Beschwerde einiger Fans, dass „John Bello Story II“ nicht ohne „richtigen“ Solotrack auskommen würde – abgesehen von „Nur ein Skit“. Kool Savas wäre wohl nicht, wer er ist, würde er sich die Probleme seiner Fans nicht zu Herzen nehmen. Deshalb erscheint demnächst wahrscheinlich die Neuauflage des Mixtapes, welche dann fünf neue (drei Solo- und zwei Feature-) und einige neu-arrangierte Tracks enthalten soll. Produziert wurden die neuen Songs unter anderem von Ronald Mack Donald, von Amar und vom „King“ persönlich.



A. Kraft
titel
CD 1: 01 Bagger feat. Sizzlac, Caput & Moe Mitchell (produziert von Sir Jai) | 02 Fick nicht mit uns feat. Amar, Ercandize & Moe Mitchell (Sir Jai) | 03 Krone feat. Franky Kubrick, Moe Mitchell & Amaris (Strike Beatz) | 04 Legt euch ins Zeug feat. Amar, Kaas & Moe Mitchell (Ronald Mack Donald) | 05 Charisma feat. 40 Glocc (Mad Skill) | 06 Weil´s nicht anders geht feat.Franky Kubrick, Caput & Sizzlac (Sti) | 07 Brainwash feat. Kaas & Sizzlac (Ryo Roesch) | 08 Feuer feat. Ercandize, Amar, Caput & Mottaman (Amargeddon) | 09 Nur ein Skit (Mad Skill) | 10 Holiday Hoe feat. Franky Kubrick & Moe Mitchell (Ronald Mack Donald) | 11 Belloman feat. Sizzlac & Caput (Melbeatz) | 12 Letzeee Gooo (L.A.A.S.A.V.A.S.) feat. Laas Unltd. (Strike Beatz) | 13 LOL feat. Amar & Ercandize (Sti) | 14 Beweis 2 – Mammut Remix feat. Olli Banjo, Plan B, Maeckes, Caput, Mo Trip, Ercandize, Kobra, Franky Kubrick, Sizzlac, Laas Unltd., Jifusi, Phreaky Flave, Amar, Germany, Favorite, Kaas & Vega (Melbeatz)
CD 2: 01 Sondern hundert feat. Maeckes & Plan B (Peerless) | 02 Das hier können sie uns nicht nehmen feat. Sinan, I.G.O.R. & Mo Trip (Stiffla) | 03 Voldemort feat. Laas Unltd. & Ercandize (Ryo Roesch) | 04 Horrormusic feat. Jifusi (Jopez) | 05 Außer Kontrolle feat. Kaas, Franky Kubrick, Caput, Olli Banjo & Dervizz (Sti) | 06 Krone – Riptor Remix feat. Franky Kubrick, Moe Mitchell & Amaris (Riptor) | 07 Brainwash – Stiffla Remix feat. Kaas & Sizzlac (Stiffla)
Release: 17.10.08 bei Optik Records
|http://www.optikrecords.de|
Künstler-Homepage: http://www.optikrecords.de
cover
Bewertung:
3/5