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"The Layover" von Evidence
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"The Layover" von Evidence

as machen Rapper um die lästigen Pausen zwischen ihren Schaffensperioden zu überbrücken und um den Hunger der Fans zu stillen? Sie releasen schlecht abgemischte Mixtapes mit nervigen Freestyles und Shout-Outs, die nicht mal den größten Stan interessieren, nur um ihren Namen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen in der schnelllebigen Popwelt der Gegenwart. Und was machen richtige MCs? Sie verköstigen ihre Fanbase mit schmackhaften Appetizern in Form von EPs, um das Warten zu verkürzen.


Die Neunziger sind ziemlich eindeutig vorbei, doch reichen einige der musikalischen Strömungen von damals in das Heute hinein oder erleben eine Reinkarnation durch artverwandte Musik – irgendwie kommt eben doch alles zurück.
Anfang der 90er: L.A. droppt den Gangsta Rap und projiziert die Westküste damit auf den HipHop-Globus. Nur wenige können sich dem Hype entziehen, der die Leute anzieht, wie einst der Goldrausch. Doch ein paar wenige sind in der Lage, dem Gangsta-Dasein zu trotzen und sich von den teils stark gekünstelten Attitüden abzuheben. Eine Formation, die sich zu der Zeit einen Namen machen kann, ohne „gangsta“ zu sein, sind die „Dilated Peoples“. Bestehend aus DJ Babu und den zwei MCs Rakaa Iriescience und Evidence verschreiben sie sich dem Boom-Bap-Sound, der ebenfalls Mitte der 90er entsteht.
Während DJ Babu schon seit geraumer Zeit eine Solokarriere parallel zu der seiner Crew fährt, hat Evidence immerhin bis 2007 mit diesem Vorhaben auf sich warten lassen. Sein erstes Solo-Album „The Weatherman LP“, in enger Zusammenarbeit mit seinem Bruder im Geiste The Alchemist entstanden, erscheint im Herbst 2007 und lässt Nostalgiker und zeitgenössische Rapfans gleichermaßen erstrahlen, schlägt „The Weatherman LP“ doch wunderbar die Brücke zwischen klassischem Boom-Bap und moderner Flow-Finesse. Seitdem ist gut ein Jahr vergangen und das angekündigte, zweite Album „Cats & Dogs“ scheint, trotz Ankündigung im Juli, noch in weiter Ferne. Um aber nicht gänzlich trocken zu laufen, plant Evidence deshalb dieser Tage einen kurzen Aufenthalt in den CD- und MP3-Playern seiner Hörer mit der EP „The Layover EP“, die passenderweise auch die optischen Reize anspricht: Der EP liegt nämlich eine DVD bei, die sämtliche, auch die neuen, Videos von Evidence beinhaltet – abgesehen von „So Fresh (Step Brothers)“. Das Schöne an Evidence im Unterschied zu den meisten Rappern der Westküste ist, dass der Junge tatsächlich Inhalt in seine Texte bringt und sich deshalb eben nicht nur durch ein aggressiv erscheinendes Auftreten verkaufen muss. Gleich der Opener und Titeltrack „The Layover“ lässt den Hörer die Strapazen des Jetlag geschädigten MCs nachempfinden, wenn er seiner Pflicht als Künstler nachkommt: „I´m goin´, where the people want me – worldwide“. Das Video dazu tut sein Übriges. Insgesamt beschreibt Evidence in seinen Texten vornehmlich Dinge, die ihn und sein Umfeld betreffen, ohne dabei aufgesetzt oder gekünstelt zu wirken. Stattdessen schwingt in seinen Strophen häufig eine stille Poesie mit, die sowohl durch die Wortwahl als auch durch den markanten, lässigen Flow getragen wird, der aber ohne den arroganten Unterton in der Stimme daherkommt, wie ihn z.B. Cam´ron so gerne pflegt – nicht umsonst wird Evidence auch „Mr. Slow Flow“ genannt. Obwohl unnötig, im Rapgame aber üblich, findet sich auf der EP auch eine Vielzahl an Features, nur drei Tracks nebst Interlude stammen komplett von Evidence. Bei den übrigen sieben hat er sich neben The Alchemist (wie könnte es anders sein) auch Unterstützung von Phonte, Blu, Will.I.Am oder auch Defari geholt. Ebenfalls vertreten auf der Platte ist DJ Revolution, der sich für ein paar hervorragende Cuts hinter die Plattendreher stellte, um einmal mehr zu unterstreichen, wie wichtig ein DJ nach wie vor für Rap ist.
Der Sound der EP ist im Ganzen ein verspielter (nicht kindisch!), da die Beats zum einen eben durch die Cuts von DJ Revolution bereichert werden. Zum anderen funktionieren die leichten, weiblichen Vocal-Samples konträr zu den Raps wunderbar stimmig. Auch die eine oder andere gesungene Hook wirkt, entgegen der landläufigen Meinung, im Rap sei das scheiße, harmonisch, da die Beats sehr melodieträchtig sind und nicht nur aus harten Drums und trockener Snare bestehen.
Evidence beweist kurz vor Jahresende, dass das Weihnachtsgeschäft nicht nur von monotoner, steriler Popmusik beherrscht wird, sondern dass es auch im kalten Winter noch Musik mit Seele gibt. Evidence haucht jedem seiner Stücke Leben ein und lässt einen die Tristesse vorm Fenster und in den Charts vergessen.

A. Kraft
titel
01 The Layover (prod. by Khrysis) | 02 For Whom The Bell Tolls feat. Phonte, Blu & Will.I.Am (prod. by Khrysis) | 03 So Fresh (Step Brothers) (prod by. The Alchemist) | 04 Solitary Confinement feat. Krondon (prod. by Sid Roams) | 05 Don´t Hate feat. Defari (prod. by Evidence) | 06 My Favorite Part Of Traveling (Interlude) | 07 The Far Left feat. The Alchemist & Fashann (prod. by The Alchemist) | 08 Rain Or Shine (prod. by Babu) | 09 To Be Determined feat. Elzhi & Aloe Blacc (prod. by The Alchemist) | 10 The Cold Weather (prod by. Evidence)
Release: 21.11.08 bei Decon Records
|http://www.deconrecords.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/evidence
cover
Bewertung:
4/5