osse? Hatte der nicht mal so ein Lied?“ – fragt meine WG-Mitbewohnerin. In ihrem kopfinternen Zettelkasten findet man unter B die Akte Bosse, Status: One Hit Wonder. Keine schlechte Idee von dem Braunschweiger Musiker also, dem Major EMI den Rücken zu kehren und sein drittes Album „Taxi“ in Eigenregie zu produzieren; gemeinsam mit Jochen Naaf (u.a. Polarkreis 18, Peter Licht).
Sogar eine prima Idee. „Taxi“ ist eine selbstbewusste Platte geworden, die ganz vorn am Bühnenrand steht. Axel Bosse hat so ziemlich alle Instrumente mit seinem Co-Produzenten Naaf selbst eingespielt. Dabei lag den beiden wohl ein ausgiebiges Frühstück am deutschsprachigen Indie-Buffet im Magen, denn im Vergleich mit Tomte und Peter Licht verlieren die 12 Songs deutlich an Konturen. Das liegt zum Einen an der altbekannten Küstenthematik mit Sommerstrand („Alter Strand“) und Schiffahrts-Allegorie („Matrosen“), die die ehemals etwas nördlicher, mittlerweile etwas östlicher wohnenden Kollegen von Tomte bis ins ff beherrschen. Vor allem aber Thees Uhlmanns eigener Gesangs- und Lyrikstil macht es deutschsprachigen Musikern wie Bosse schwer, sich mit eigenen Erfindungen hinreichend abzugrenzen. Peter Licht scheint bei den Songs „Vereinfachen“ (feat. Sebastian Madsen) und „Die Kunst des Verlierens“ zumindest spirituell im Studio zu Gast gewesen zu sein. Die skurrilen Texte passen so gar nicht zu den anderen 10 Songs, in denen es zwar nicht anspruchslos, aber auch nicht verrätselt zugeht. Schade, dass diese beiden Ausbrecher wie ein verwässerter Abklatsch Licht'scher Absurditäten wirken.
Bosses Stärke ist das zweite Hören, wenn die Melodien ihren Ohrwurm-Status erst zu ca. 70% entfaltet haben. So schnell er Gehör findet, so schnell will man ihn dann nämlich auch schon wieder loswerden. In „Irgendwo dazwischen“ bringt er es eigentlich selbst auf den Punkt: “Und dann ist da dein Herz / Und dein Verstand / Und irgendwo dazwischen tut's weh“. Das könnte – ohne jede Ironie – ein richtig guter Schlager werden.
Wer sich sonst mal gerne die Texte im Booklet durchliest, sollte hier unbedingt die Finger davon lassen. Ganz unmittelbar verstanden hat „Taxi“ nämlich durchaus seine großen Momente, wenn Bosse „Gegen Murphy“ wettert etwa, oder wie er im „Alten Strand“ Jugenderinnerungen ausgräbt. Bosse beherrscht das Oberflächliche, und das kann auch etwas sehr Schönes sein. Wenn man nicht zu sehr dran kratzt. Und wenn man mal vergisst, dass nicht nur zwei andere Bands das Gleiche in besser, weil tiefgründiger, zu bieten haben.










