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"Entwicklungshilfe" von Amewu
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"Entwicklungshilfe" von Amewu

ieses Album kommt so Underground daher wie eine U-Bahn. Für alle, die sich musikalisch lieber unter freiem Himmel bewegen, ist Amewu daher überhaupt nichts. Zu empfehlen ist „Entwicklungshilfe“ dagegen all denjenigen, die auf Rap stehen, bei dem es inhaltlich mal nicht um Ärsche, Geld und Ghetto-Alltag geht. Dabei kommt Amewu doch aus Berlin – der Hauptstadt des Aggro- und Gangsta-Raps in Deutschland. Anspruchsvoller Battle-Rap der alten Schule ist das hier aber.


Problematisch an Amewus neuer Platte ist allerdings, dass sie klingt, als hätte sie 10 Jahren in einer staubigen Schublade überwintert und sei jetzt zufällig wieder ausgekramt wurden. 2009 klingt anders! Diese Musik ist einfach nicht zeitgemäß und so rappt auch Amewu selber: „Leute meinen geh mit der Zeit, doch ich bin irgendwie hängen geblieben.“ Wenig innovativ ist das, aber er will es so und so isses dann auch!

Besonders die atmosphärisch und melancholisch klingenden Beats aus dem Hause Edit Entertainment scheinen jeglichem Modetrend des Hip-Hops zu widerstehen. Sie klingen wie die Beats, die man in den 90ern auf Hip-Hop-Jams zu hören bekam. Da ich jedoch finde, dass seitdem musikalisch durchaus einiges positives passiert ist, vermerke ich das mal als Minuspunkt. Ein bisschen mehr Experimentierfreude hätte nicht wehgetan und dafür gesorgt, dass der Sound ein wenig frischer klingt. Die Lyrics sind phasenweise nämlich echt nicht schlecht. Besonders beim Song „Universelle“ tritt Amewus Sprachgefühl gekonnt in den Vordergrund, wenn er Oxymora wie „der stark religiöse Gesamtatheist“ mit Stil und in unglaublicher Geschwindigkeit aneinander reiht.

Amewu ist eine Doubletime-Maschine und er rappt technisch wie inhaltlich auf hohem Niveau. Die meisten Texte kritisieren die aktuelle Rap-Szene Deutschlands und plädieren für ein bisschen mehr Realness anstelle von Image-Rap. Punchlines wie: „Du willst Gangster sehen / dann werd Sozialarbeiter“, oder auch „Ich komm nicht von der Straße / ich komm von Mutter und Vater“ rechnen kurz und präzise mit einigen abgehobenen Rapper-Kollegen ab. Und auch gesellschaftskritisch gibt sich der Berliner Underground-Rapper: „Jeder fragt sich warum sich das Leben hier im Land verschlimmert / Roland Koch gab uns die Antwort, es sind die Migrantenkinder / du bist ein sehr guter Christ und Jesus ist an deiner Seite / triff dich im Problembezirk mit ihm und ihr schmeißt ein paar Steine / nimm dir deinen Blindenstock, wir finden heut nen Sündenbock / und am besten den, der mit dem Kopf schon in der Schlinge hockt.“

Derartige Kritik ist ja richtig und auch angebracht, aber es muss dann halt auch mal was anderes kommen. Ein Song auf „Entwicklungshilfe“ gleicht dem anderen und das ganze kommt insgesamt zu negativ und monoton rüber. Ich hätte mir gewünscht, Amewu hätte seinen Intellekt auch dazu verwendet, für ein wenig mehr Abwechslung auf „Entwicklungshilfe“ zu sorgen. Meine Empfehlung: Diese Platte unbedingt nur im Untergrund auflegen!

P. Wichmann
titel
01 Intro | 02 Maschine | 03 Viele Rapper | 04 Einzelkampf | 05 Get Rich | 06 Image feat. Team Avantgarde und Wakka | 07 Universelle | 08 Finsternis | 09 Land Der Freshness | 10 Freak feat. Wakka | 11 Thin Line feat. Wisdom & Slime, Werd | 12 Sterben | 13 Wasauchimmer | 14 Freiheit feat. Chefket | 15 Hoffnung
Release: 23.01.09 bei Edit Entertainment
|http://www.edit-entertainment.com/|
Künstler-Homepage: http://www.myspace.com/kriegerdeslichts
cover
Bewertung:
2/5