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"Smoke N Mirrors" von B-Real
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"Smoke N Mirrors" von B-Real

-Real auf Solopfaden? Kann das gut gehen? Nach zwanzig Jahren als aktiver MC bei seiner Crew Cypress Hill denkt der fast vierzig-jährige keineswegs an seinen Ruhestand. Vielmehr konzentriert er seine gesamte Energie auf seine erste Soloplatte „Smoke N Mirrors“. Ob die Energie auch für gute Musik abseits des Cypress Hill-Sounds reicht und das Feuer nach all den Jahren immer noch lodert, erfahrt ihr hier.


Bereits seit 1991 feiert der latein-amerikanische Rapper B-Real mit seiner Crew „Cypress Hill“ in unregelmäßigen Abständen mal mehr, mal weniger große Erfolge. In ihrer achtzehnjährigen Erfolgsgeschichte hat die Rap-Combo inzwischen acht Studio-Alben veröffentlicht. Insgesamt schaffen es die vier Mitglieder damit auf 18 Millionen verkaufte Einheiten weltweit und ernteten mehr als einmal „Platin“ für ihren eigenwilligen Mix aus Rap, Rock und latein-amerikanischen Klängen. Der düstere, dichte Sound auf den Alben ist das Markenzeichen von Produzent DJ Muggs, der die Raps seiner beiden MCs B-Real und Sen Dog musikalisch fundiert.

Es sollte jedoch vierzehn Jahre dauern, bis B-Real, nach etwaigen Projekten und Kollaborationen mit anderen Künstlern, die ersten Schritte als Solokünstlern unternahm. Die Mixtapereihe „The Gunslinger“ findet ihren Ursprung im Jahr 2005 und erst nach weiteren vier Jahren und zwei Nachfolgern erscheint nun auch ein erstes handfestes Solo-Album des mittlerweile 39-jährigen MCs aus South Gate, Kalifornien. Der fünfzehn Tracks starke Longplayer hört auf den Namen „Smoke N Mirrors“ und steht unter dem New Yorker Label Duckdown Records, bei dem B-Real seit 2008 Zum Kader zählt. Lasst euch auf den ersten Blick nicht von dem Cover täuschen - auch wenn es zunächst wie ein klassisches Cypress Hill-Artwork aussieht. Auf seinem Weg als Solokünstler unternimmt B-Real nämlich den Versuch, den Cypress Hill-typischen Sound gänzlich abzustreifen und eine eigene Richtung einzuschlagen. Und über weite Strecken funktioniert dieses Vorhaben auch ganz wunderbar. Schon der Opener „Smoke N Mirrors“ (oder „Children Of The Night“) zusammen mit Bo Roc klingt wohltuend frisch und wenig düster. Doch auch B-Real kann vor seiner Vergangenheit nicht fliehen und deshalb halten sich auf der Scheibe eher clubtaugliche, nach Vorne orientierte Songs mit eher düsteren, atmosphärisch dichten Stücken die Waage. Der zweite Track „Gangsta Music“ ist bereits wieder dreckige, raue Straßenmusik der Westküste mit einem singenden Bo Roc, bei dem ein Vergleich mit Nate Dogg durchaus angebracht erscheint – was keinesfalls schlecht ist. Es sind jedoch die Lieder, die nicht nach Asphalt riechen, die einen bleibenden Eindruck im Gehörgang hinterlassen. „Fire“ mit Damian Marley, „6 Minutes“ mit Young De und Tekneek oder eben auch „Smoke N Mirrors“ bleiben mit ihren eingängigen Melodien und Hooks im Gedächtnis kleben und fordern dem Kopfnicker weit mehr ab, als stumpfes Rumgenicke. Es sind auch genau diese und einige andere Tracks auf der LP, die den B-Real-Sound stützen und von den Klängen eines Cypress Hill-Albums scharf abgrenzen. Dabei fällt auf, dass z.B. „Fire“, der mit flotten Reggae-Tunes daherkommt, von B-Real selbst produziert wurde. Entgegen der Erwartung, dass der Protegé von DJ Muggs in dessen musikalische Fußstapfen tritt, setzt er bei seiner kreativen Entfaltung vor allem auf Claps, helle Synthie-Sounds oder spanische Gitarren und Trompeten.

Als weitaus weniger neu und erfrischend anders entpuppen sich hingegen leider die Inhalte der Songs, über deren Mehrwert sich sicherlich streiten ließe. Allerdings ist es auch kaum verwunderlich, dass B-Real sich in der Auswahl seiner Themen ab und zu wiederholt. Immerhin ist das Ex-Blood-Mitglied derweil seit zwei Dekaden am Mikrophon aktiv. Deshalb ist es eben auch nichts unerwartet Neues mehr, dass der MC Marihuana konsumiert wie sein täglich Brot und dass er sich eines Tages bestimmt mit einer Bong im Arm beerdigen lassen wird. Auch das leidliche Thema „Geld“ wird auf „Smoke N Mirrors“ verbalisiert. Wer hat wie viel, wie bekommt man noch mehr und was kann man sich alles Unnützes davon kaufen – wie schön. Zu Gute halten muss man B-Real jedoch, dass er in seinen Texten auch immer wieder die Rassenproblematik in L.A. thematisiert. Das dauerhaft aktuelle Problem der Minderheitendiskriminierung wurde von ihm schon häufiger aufgegriffen und hat auch auf dem vorliegenden Werk nach wie vor seine Daseinsberechtigung. Manchmal geht es eben nicht nur um „Get That Doe“.

Ich muss gestehen, ich bin skeptisch gewesen, als ich erstmals von B-Reals Soloplänen gehört habe. Für mich hatten Cypress Hill den Zenit ihres Erfolges bereits vor Jahren überschritten und mit Ende Dreißig dann auch noch als Solo-MC aktiv zu werden, klang zunächst unfreiwillig komisch. Aber „Smoke N Mirrors“ hat mich eines besseren belehrt und in den USA laufen die Uhren ja bekanntermaßen eh anders: Dort ist man im Grunde nie zu alt, um sich noch mal als Rapper zu versuchen. Und weil B-Real ja längst eine beachtliche Karriere mit Höhen und Tiefen hinter sich hat, lässt die damit verbundene Erfahrung den Gedanken an ein Scheitern schnell wieder vergessen. Das „Erstlingswerk“ von B-Real ist ein grundsolides Rap-Album, das sich dem Cypress Hill-Usus konsequent entzieht.

A. Kraft
titel
01 Smoke N Mirrors feat. Bo Roc (prod. by Scoop Deville) | 02 Gangsta Music feat. Bo Roc (Soopafly) | 03 Don´t Ya Dare Laugh feat. Xzibit & Young De (Scoop Deville) | 04 Everything U Want feat. Buckshot (Soopafly) | 05 6 Minutes feat. Young De & Tenkneek (Alchemist) | 06 Psycho Realm Revolution feat. Sick Jacken (Sick Jacken) | 07 Fire feat. Damian Marley (B-Real) | 08 10 Steps Behind feat. Young De & Tekneek (J. Turner) | 09 Get That Dough feat. Mimi (Fifth) | 10 Dr. Hyphenstein feat. Snoop Dogg, Young De & Trace Midas (B-Real) | 11 Stack´N Paper (J. Turner) | 12 1 Life feat. Sen Dog & Mal Verde (B-Real) | 13 Dude Vs. Homie (J. Turner) | 14 When They Hate You feat. Mimi (Salam Wreck) | 15 When We´re F…g feat. Too Short, Kurupt & Young De (J. Turner)
Release: 27.02.09 bei Duck Down
|http://www.duckdown.com/|
Künstler-Homepage: http://www.brealonline.com/
cover
Bewertung:
4/5