ut – „My Favourite Sheriff“ ist ja schon mal ein ungewöhnlicher Name. Da passt es, dass das zugehörige Album noch merkwürdiger klingt. „Merkwürdig“ ist zwar ein von Künstlern selten geschätztes Attribut. In diesem Fall trifft es aber einfach zu.
Es ist ja auch gar nichts Schlimmes dabei – das Wörtchen sagt doch nur, dass der Gegenstand des Merkens würdig ist. Es scheint übrigens auch eine feste Eigenschaft echter Indie-Bands zu sein; „Indie“ hier mal als Abgrenzung zu „Charts“ gemeint. Diesen Bands sind Charaktereigenschaften so eigen wie einem Pferd sein Brandzeichen, sie lehnen sich gern mal mit ihrem Experimentiertisch aus dem Fenster und diese Reihe schiefer Bilder ist erst komplett, wenn der Sound genannt wird, der klingt nämlich immer mal so schön schrottig, dass er wie eine Bö salzigen Ostseewindes ins Gesicht klatscht. Nicht jedermanns Sache – merkwürdig eben. So passen Indie-Bands meist nur zu einem kleinen Kreis von Leuten, die sich darum umso verschworener fühlen dürfen.
Somit ist auch schon einiges gesagt über das zweite Album der französischen Band Maarten. Der Titel wurde ja schon als Anfang einer längeren Kette von Merkwürdigkeiten klassifiziert – die Promoinfo sorgt für etwas Aufklärung: Thema des gleichnamigen Songs ist ein alter Mann, der dem Enkel immer mal seine Sheriff-Ausrüstung zeigen wollte, vorher aber verstirbt. Der Waschzettel gibt aber auch weiteren Grund zum Stutzen: In Maartens Heimat Frankreich erschien „My Favourite Sheriff“ bereits im letzten Jahr, jetzt erst übernimmt das kleinfeine Label Biegen & Brechen die Veröffentlichung auf dem deutschen Markt. Vor allem aber der Gesang Wilfried Schaeffers dürfte die Daumenhoch- bzw. Daumenrunter-Entscheidung beeinflussen. Seine affektierte Softie-Stimme irgendwo zwischen Maximilian Hecker und Belle & Sebastian macht dann auch mir das Leben schwer – mal ganz bezaubernde Momente auslösend, ist sie auf Dauer doch zu schlaffig.
Merkwürdig aber auch, wie das von Grandaddy-Kopf Jason Lytle produzierte Quintett seine konventionelle Band-Besetzung um Streicher, Bläser und Casio-Synthies erweitert. Mal arrangiert man die Instrumente als sanfte Geschmacksverstärker, wie die durch den Computer gedrehten Streicher beim Opener „A New Year“ oder die Trompete im – nebenbei bemerkt wirklich fantastisch gelungenen – „All Around You“.Es ist zwar konsequent, dieses Prinzip auch bei den Synthesizern fortzuführen. Das unvermittelte Quäken in einem mittelprächtigen Song, ist schon interessant, aber nicht für alle Ohren schön („A Rainy Saturday Night“).
Klüger gelingt es Maarten dagegen, merkwürdige Geräusche einzubetten. Dazu gehört der durch Schaben über eine Gitarrensaite ausgelöste, recht unheimliche Effekt in dem Lied „Sad Songs“. Die jazzmäßige Trompete im abschließenden „She's The One“ beschert „My Favourite Sheriff“ einen gelungenes, aber auch irgendwie verklärt-wirkendes Film Noir-Ende. Dass die Band auch mal im 5/4-Takt zockt, komplexen Anordnungen rhythmischer Schichten nicht abgeneigt ist und ausschließlich mit englischen Texten hantiert (für eine französische Band ja auch nicht gerade selbstverständlich) – weitere Grate und Nasen, die sich beim Befühlen der Hand förmlich entgegendrängen.
Man muss diese Band halt nehmen, wie sie ist. Mit Sternstunden; dazu gehört das stimmungs- und gefühlvolle „Cheers My Friends“, natürlich auch das bereits erwähnte „All Around You“. Ganz groß, weil in seinem Pathos genau den richtigen Ton treffend ist auch „So Lonely“. Aber auch die nur schwer vermeidbaren Griffe ins Klo unterlaufen Maarten. Es ist kein leichtes Unterfangen, auf dem schmalen Grat zwischen Pathos und Verspieltheit eine Punktlandung durchzuführen, und noch schwerer ist ein Husarenritt darauf, wie ihn z.B. die großartigen Dear, Reader mit ihrem Album „Replace Why With Funny“ kürzlich so beeindruckend durchgeführt haben.
Da bedien' ich mich sehr gern bei einzelnen Songs, um den nächsten Geschenk-Sampler für die Freundin zu garnieren. Für überschwängliche Lobeshymnen ist diese Platte aber doch zu durchwachsen.











