kel ist das erste Gefühl, das die neue, dritte Kissogram-Platte vermittelt. Schuld sind das blutig-blasse Cover und der an (wirklich nur ganz seltene) Fetisch-Fantasien erinnernde Titel „Rubber & Meat“. Dabei waren die News im Vorfeld – Tour mit Franz Ferdinand, neuer Schlagzeuger Joe Dilworth (Ex-Stereolab und Add N To X), toller Produzent Pelle Gunnerfeldt (The Hives, Moneybrother, etc.) – doch rundweg good News gewesen.
Gut ist die Platte auch, das kann man trotz allen vordergründigen Ekels sagen. Mit dem kurzen Introstück „Switching On The Machines“ werden selbige in der Tat auf Hochtouren gebracht. Der Beat kommt zwar meist von einem echten Schlagzeug, Synthesizer und sehr präzis eingesetzte Gitarren greifen aber durchaus den Industrial-Touch auf, mit dem Cover und Titel schon spielen. Kissogram sind allerdings eine intelligente Rock-Band, die sich nie auf ein bestimmtes Genre verlassen würde. So düster der erste Eindruck der Platte ist, so hell sprühen dann auch bald zynischer Witz und kluge Zitate. „Tonight I'll Go Out Alone“ muffelt z.B. auf einem basslastigen Beat daher, bis ein quietschiger Synthie den bis dato ernsten Eindruck ins Komische übersteigert. Im Refrain von „Lucy“ vergreifen sich Kissogram an ihren Fastnamensvettern Kiss. Ein bisschen platt vielleicht der Verweis, aber doch lustig. "Lucy, Lucy, Lucy, Lucy, Lucy lose lose don't lose your mind".
Die großen Kracher auf „Rubber & Meat“ sind aber gleich die ersten beiden Lieder „The Deserter“ und „Rubber And Meat“ sowie „Prominent Man“. Songs, die man gerne bei der nächsten Clubnacht hören mag und die auch bei wiederholtem Hören eher gewinnen als nachlassen. Dann doch etwas zu verrückt geworden sind dann „Grass Grass Grass“ (an einen Woody Guthrie-Song angelehnt) oder „Nocturne No. 27“. Ist halt so, wenn as schräg as possible singt und sich darum mit Recht einen fuck schert; ganz einfach, weil man's kann.
Insgesamt aber ist diese Platte unbedingt beachtenswert geworden. Mit wenigen Worten ziehen Jonas Poppe, Sebastian Dasse und Joe Dilworth beeindruckende Psychogramme auf, von Personen, die allesamt mindestens im Halbschatten stehen. Ein bisschen unheimlich, weil düster und amüsant zugleich. Der junge Soldat in "The Deserter" freut sich aufs Ausrücken "Wartime baby, I'm leaving you now / It's like the new year's eve, but better somehow / I'll carry your picture near my ha-heart / Ah, come on boys, we're gonna ratatata!". Der "Prominent Man", dagegen in der dritten Person geschildert: "He wore a golden watch which said quarter to twelve / He said: I need some dust on my Dior Gucci Chanel" und verlacht "I'd rather be dead than a prominent man".










