ein lieber Scholli Ulz,
Ihre erste Solo-Scheibe „Es brennt so schön“ steht in den CD-Regalen und ich frage mich, ob das sein musste. Das hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun, es ist ja mein Job, zu gucken, ob man die CD-Regale in Deutschlands Saturn-Märkten nicht um einige Kilometer verkürzen könnte. Und dass Sie jetzt tatsächlich mit Deutschrock um die Ecke kommen, macht es nicht gerade einfacher.
Ich kann ja verstehen, dass man als Musiker von Zeit zu Zeit mit Existenzängsten kämpfen muss. Jedem Schauspieler sind einige schlechte, aber oft erfolgreiche Mainstream-Produktionen zugestanden – da habe ich auch nichts dagegen, dass Sie sich mit einer Charthymne ans große Publikum wenden. „Mach den Bibo“ ist ja auch der beste Song Ihrer neuen Platte, weil er eine kluge Mischung aus Trash, Parodie und gut funktionierendem Partyhit schafft. Geld rein in den Rententopf, mit so einem Lied gar kein Problem für uns Kritiker.
Zitat:
Warum ist denn aber der Rest von „Es brennt so schön“ so überernst geworden? Es gibt außer dem Bibo nur zwei Songs, bei denen ich mal schmunzeln konnte! Stattdessen schlecht gelaunte Kämpferpose; Egoismus, moderne Sklaverei am Pranger. So richtig es ist, die Welt als den ekligen Pfuhl zu beschreiben, der sie nunmal zuweilen ist, so schwierig ist es doch auch, dies glaubhaft in deutscher Sprache auszudrücken. Auch Ihnen ist die mit großen Rock-Gesten vorgetragene Leidenslyrik nicht unbedingt gelegen. „Die Guten, die bluten, weil die Schlechten sie knechten und der Rest hält sich da raus“ („Ab jetzt tut's nur noch weh“). Und die Großen, die stoßen die Kleinen, die weinen. Und die Dicken die ficken, während die Dünnen enthaltsam leben müssen. Oder was? Vielleicht haben Sie in der Öffentlichkeit ein bisschen zu oft den Kasper gemimt. Umso interessanter, dass Ihnen die Tracks „Wie sie“ und „Bloss Freunde“ gut gelungen sind; hier klappt es mit dem Pathos.
Insgesamt ist das auch schon unterhaltsam. Immerhin war es mutig, wenn man schon mit fortgeschrittener Grönemeyerei den Chartangriff versucht, sich mit einer Live-Band ins Studio zu setzen. Eine gute Idee war es auch, den Kollegen Lee Buddah ans Banjo zu beten und mit Moses Schneider einen namhaften Produzenten an Bord zu holen. Es fehlt allerdings der Hund Marie aka Max Schröder, der mittlerweile festes Mitglied bei Tomte geworden ist. Die nette Verschrobenheit, mit der Sie sich in Indie-Kreisen bekannt gemacht hatten, droht Sie damit auch zu verlassen. Da kann ich Ihnen nur sagen: Kleine Plattenläden sterben nicht aus, echte Musikfreunde boykottieren Saturn und Media Markt; überlegen Sie sich doch noch mal, wo Sie lieber sein mögen.











