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"Form Without Function" von Enduser
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"Form Without Function" von Enduser

er scheißt Sommer wird verdammt heißt. Enduser haut ein neues Album raus und ich will weder den joggenden Fitness-Schlampen noch den Bodystylern raten sich zum Sport das Album „Rorm Without Function“ auf den iPod zu ballern – das kann sich mit der eigenen Gesundheit nicht vertragen.

Enduser ist ein Mann, der den Namen Lynn Standafer trägt. Er hat ein eigenes Label und macht Breakbeat, allerdings in einer Art und Weise, die an Aggressivität und Bösartigkeit kaum zu überbieten ist.
„Bare Knuckles“ klimpert zum Beispiel erstmal – man denkt „ach, hier: schöner Frühingstag!“. Die Melodie bleibt, hinzu kommt ein Drumset, das gar nicht mal so schnell ist. Nur einfach bösen Hall hat, die Melodie zerstört, weil es so finster ist. Hinzu kommt dann Bass – düster dröhnend. Der Track wird dann noch mal angeheizt, weil schneller Rap dazu kommt. Beizeiten werden dann Drums und Bass auf wilderen Breakbeat-Speed hochgetunet.

Beeinflusst ist Enduser nach eignen Angaben unter anderem von Napalm Death, Godflesh, Pig Destroyer und Dying Fetus. Wem das nicht soviel sagt: Die Bands machen Grindcore, was – das kann man so sagen – die schnellste, brutalste Abart des Metal is.

Bei „Final Judgement“ kann man das ganz gut raushören. Es geht auf die Fresse. Nicht unmelodiös oder chaotisch – alles wohl strukturiert und auf einander abgestimmt. Allerdings in einer Geschwindigkeit und Aggressivität und Düsternis, die einem vom Hocker haut. Ich bin ein friedvoller, ausgeglichener Mensch. Aber als ich jüngst durch die Innenstadt mit Enduser im Ohr laufe, fange ich an, die ganzen Wichser um mich rum zu hassen. Mir fallen auch gleich Tausend Gründe ein, wieso das gerechtfertigt ist. Es ist ein erhabenes, fast faschistoides Gefühl. Enduser ist kein Nazi – nicht das man mich hier falsch versteht… Wir sprechen hier über Kunst…

Aber dieser verrückte Hund Lynn Standafer kann auch anders. „Keep Telling“ schlurft eher besonnen vor sich hin. Der Sound ist eher wabernd, eine Frau singt ein bisschen dazu. Der vollkommen verzerrte Bass reißt allerdings, auch wenn ebenso unauffällig vor sich hintrottet, einen Riss in die Verträumtheit und gibt dem Track eine Note, die an schleichenden Verfall und unendliche, lähmende Melancholie erinnert.

In „Faceless“ wird wie in keinem mir sonst bekannten Song Rap als Instrument benutzt. Hinter dem ordentlich flowendem Rap verstricken sich die Drums zu diffusen, abgekackten Mustern und man könnte denken man hat es mit einem Venetian-Snares-Track in einer Light-Version zu tun.

„On Point“ ist Breakcore vom Feinsten und geht einfach nur tierisch ab. Am Bass mangelt es so wenig, als handele es sich um ein Feature mit Dillinja. Das Gleiche gilt auch für den Track danach, betitelt mit „One Two“. Ich hoffe nur, dass ich heute Abend keinem DJ in die Finger gerate, der diesen Shit spielt – andernfalls, könnte man mich wohl morgen zu Grabe tragen, so sehr kickt dieser unheimlich düstere Track und zwingt zum totalen Abbouncen.

Ein Absoluter Burner, den Enduser hier rausgehauen hat: Geradlinig und gleichzeitig verschnörkelt – endzeitliche Atmosphäre, mal verträumt, mal wütend. Wer Drum’n’Bass und Breakcore leiden kann, ist mit dieser CD mehr als gut beraten.
Für Vinylfreunde gibt’s am 27ten Juli auch noch eine 12" zusammen mit Jeanes Matt alias Larvae.

Bilder:
1: Foto: Daniela Knut; Quelle: http://www.sonicterror.net/enduser/site/enduser.html
2: Quelle: http://www.sonicterror.net/enduser/site/enduser.html

S. Krutzinna
titel
01 Fallen | 02 Hidden Wrath | 03 Bare Knuckles | 04 Wires And Pins | 05 Final Judgment | 06 Keep Telling | 07 Speaker Wrath(The Choke, Enduser Remix) | 08 The Plan | 09 Faceless | 10 On Point | 11 One Two | 12 By A Thread
Release: 20.06.06 bei Hymen Records
|http://www.hymen-records.com/|
Künstler-Homepage: http://sonicterror.net/enduser/
cover
Bewertung:
4/5