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"The Spell" von The Black Heart Procession
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"The Spell" von The Black Heart Procession

ei den vier Jungs von The Black Heart Procession aus San Diego ist der Name Programm. “Black” ist die Gemütsstimmung, mit der sie an ihre Songs gehen, das “Heart” steht für emotionale Musik und “Procession” meint, dass sie eine Gruppe sind, die sich in ihrer Gesamtheit traurig fühlt. Ob man die Würde einer schreitenden Prozession auf ihrem fünften Studioalbum “The Spell” spüren kann?

Gefällig arrangiert das Quartett dazu ruhige, gemächliche Lieder auf Bass/Schlagzeug-Groove, gerne geleitet von einem poppigen Klavier. Mal wird der Rhythmus von Streicher-Staccato unterstützt, auch die E-Gitarre ist natürlich dabei. Häufig steigen dazu Cello oder Violine in nebenläufigen Soli ein, eine Orgel rundet den Sound ab.

Pall Jenkins Gesang kann man mögen - ich tue es nicht. Der blecherne Ozzy Osbourne-Sound ist eine Sache, man könnte sagen “dafür kann er ja nichts”. Jenkins aber vernuschelt Silben, als sei er betrunken. Er lässt die Enden von Phrasen “abstürzen”, schmiert den letzten Ton auf einen tieferen. Er vermittelt eine dröge Langeweile, lässt seine Geschichten uninteressant aussehen, kennt anscheinend gar nicht den Unterschied zwischen einer sauber schwingenden Stimme und Intonationsproblemen. Würde nicht immer wieder eine zweite Stimme eine Oktave unter Jenkins’ einsetzen, es wäre wohl noch schlimmer.
Seine Stimme ist für mich also ein steriles, nerviges Accessoire in einer beschaulichen Instrumentierung. Die Einigkeit non-verbalen Gefühlsaustauschs versucht die Band durch einen schwebenden Klang zu erreichen, der jederzeit ein Zeitlupengefühl von der Wirklichkeit vermitteln möchte. Das gelingt allerdings nur bedingt. Es ist vor allem die Dichte der Besetzung, die einen Nebel melancholischer Grundstimmung über die Songs legt. Klar sind Streicher und Orgel schön, sie finden aber auf das ganze Album bezogen inflationären Einsatz - der der Musik eben nicht immer gut tut. Von der manchmal recht unmotiviert agierenden Orgel könnte man zum Beispiel mehr Akzente erwarten.

Die besseren Songs auf “The Spell”, z. B. “The Fix”, “The Letter” und “To Bring You Back” profitieren von dem schönen Songwriting. Die Slide-Guitar in “To Bring You Back” ist dann auch ein erfrischendes Element, ähnlich wie das mit rauschhaften, dissonanten Obertönen versehene Kratzen des Streichinstrumentes in “The Letter”. Es sind ja auch nicht umsonst neben dem zweiten Kopf der Band Tobias Nathaniel zwei Mitglieder von The Album Leaf an Bass und Violine und der Modest Mouse-Drummer Joe Plummer dabei.

Ich denke also, dass man dieses Album gut finden kann. Für die musikalische Betrachtung gibt es die genannten Kritikpunkte, die sich in erster Linie an der Stimme von Pall Jenkins manifestieren. Ich würde aber von einer Band, die vor neun Jahren als Nebenprojekt (von Three Mile Pilot) begann erwarten, dass sie sich weniger wie ein Nebenprojekt anhört. Das man aus einem losen Gefüge von Musikern um einen festen Kern, wie es The Black Heart Procession lange waren, mehr heraus holen kann, haben längst Bands wie Bright Eyes, Sophia oder Broken Social Scene gezeigt.

K. Haller
titel
01 Tangled | 02 The Spell | 03 Not Just Words | 04 The Letter | 05 The Replacement | 06 Return to Burn | 07 GPS | 08 The Waiter #5 | 09 Places | 10 The Fix | 11 To Bring You Back
Release: 12.05.06 bei Touch And Go
|http://www.tgrec.com/index.php|
Künstler-Homepage: http://www.blackheartprocession.com
cover
Bewertung:
2/5