uerst einmal Herzlichen Glückwunsch zum Einstieg auf Nummer 1, Jan Delay. Ich freue mich sehr, dass dieses Album von den Fans gewürdigt wurde, denn keine 1er Platzierung einer deutschen Platte war dieses Jahr so gerechtfertigt, wie die für „Mercedes-Dance“.
„Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“, zumindest ein bisschen. Auch wenn das natürlich nicht immer reiner Funk ist, was der Delay Lama hier fabriziert, merkt man doch das funkige Grundgerüst in jedem Track. Ich hab ehrlich gesagt befürchtet, dass genau das viele abschreckt. Scheint aber zum Glück nicht so gewesen zu sein.
Die erste Single „Klar“ hat ja auch schon wunderbar auf das Album eingestimmt und „klar“ gemacht wo die Reise hingeht. Zusammen mit seiner Band Disko No.1 war ein Brett entstanden, das eine seltene Eigenschaft besitzt: Es ist deutsche Musik, die im Club funktioniert! Auch wenn der Track inhaltlich natürlich kein Highlight ist, machen die groovenden Drums, dicke Bässe und vor allem die großartigen Bläser einfach jede Menge Spaß und gehen ab wie Sau
Mit dem Intro des Albums sollte man als guter Mensch dem neuen Sound von Jan Delay eigentlich schon verfallen sein. Diese nahezu hymnischen Bläser führen zu einem Wohlgefühl in der Magengegend, welches einem ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert. Dies ist der eigentliche Soundtrack zum deutschen Stimmungs-Sommer 2006.
Aber Jan Delay wäre nicht Jan Delay, wenn „Mercedes-Dance“ nur witzige Party-Musik wäre. Inhaltlich passiert da natürlich wieder einiges. Er hat einen Gang zurückgeschaltet. Tracks wie „Söhne Stammheims“ findet man auf „Mercedes-Dance“ nicht. Aber es gibt „Kartoffeln“. Eine Abrechnung mit Nachkriegsdeutschland und dessen Bürgern. Gleichzeitig amüsant und traurig, weil es leider stimmt, was Jan Delay hier erzählt. Auch „Kirchturmkandidaten“ ist ein Track, der trotz des eingängigen Sounds nicht so leicht zu verdauen ist. „Es geht um die, die an der ganzen Scheiße verzweifeln/ sich ne Wumme greifen und auf den Kirchturm steigen“ und ein kleiner Kirchturmkandidat steckt wohl in jedem von uns.
Gut, ich könnt jetzt hier wirklich auf jeden Text eine kleine Lobeshymne singen. Passt mal wieder alles was der Jan hier gemacht hat. Auch eine Cover-Version ist dabei. Jan Delay hat sich mit Rio Reisers „Für immer und dich“ eins der schönsten deutschen Liebeslieder ever ausgesucht und interpretiert das Ding in unnachahmlicher Delay-Manier. Eine Ballade mit Groove und Bass, besser geht das wohl nicht mehr!
Erwähnt werden muss auch noch die großartige Zusammenarbeit mit Altmeister Udo Lindenberg. „Im Arsch“ ist wie der Name schon sagt, ein bisschen so wie der Kater danach. 10 Tracks Vollgas und dann wird das Tempo rausgenommen. 10 Tracks Spaß und dann kommt die Depression. Aber so ist nun mal. Das ist kein Spielverderber-Style, denn „Im Arsch“ ist großartig und hätte nicht fehlen dürfen, zumal einen die letzten beiden Udo-Zeilen auch mit positiver Sicht in die Zukunft entlassen.
„Mercedes-Dance“ ist irgendwie jetzt schon ein Klassiker. Jan Delays Plan die erste deutsche Tanz-Platte zu machen ist definitiv gelungen. Seine textliche Stärke gepaart mit dem dicken Sound seiner Band und seinen knallenden Beats ist was ganz Besonderes. Der Mann scheint sich in jedem Genre wohl zu fühlen und alles zu beherrschen. Man sollte Jan Delay dankbar sein, für dass, was er für deutschsprachige Musik tut und getan hat. Der Typ ist ein Großer!










