eutschsprachiger Metall ist eines der schwärzesten Kapitel der Musikgeschichte – und zwar in zweierleich Hinsicht. Zum einen, weil halt schon viel wirklich „schwarze“ Musik produziert wird, aber auch, weil ziemlich viel ziemlich beschissen ist. Seit der 2004er-Platte Samurai hatte ich selbst den Glauben an die Apokalyptischen Reiter verloren – aber mit Riders on the Storm können sie Vieles gut machen!
Die Apokalyptischen Reiter hatte ich mal so richtig in mein Herz geschlossen. Gerade die Alben Soft and Stronger und All You Need Is Love liefen in meinem CD-Player gefährlich heiß, weil sie auf eine wunderbare Art folkloristische Elemente in ihren ansonsten recht straighten Metal einwoben. Außerdem waren ihre Texte cool, nicht so, wie etwa Subway To Sally, die ja weitgehend groben Unfug dahinbrabbeln. Zur 2004er CD Samurai habe ich bis heute keinen richtigen Zugang gefunden – sie war mir einfach zu zeitgenössisch – vom Titel übers Artwork bis hin zu den synthetisch ungeschickt aufgepeppten Songs.
Scheinbar blieb es glücklicherweise bei diesem verkackten Exkurs, denn Riders On The Storm feuert wieder drauf los, wie in den Neunzigern! „Friede Sei Mit Dir“ bildet den Auftakt mit allem was ein frommes, schwarzes Herz sich wünscht. Härteste Riffs, die dem Genre Black Metal vermutlich noch schmeicheln, frische melodische Strophen-Riffs und ein Fuchs am Mikrophon, wie man ihn in guter alter Erinnerung hat: Immer da, immer vorne. Dr. Pest steuert wieder verträumte Klänge von seinen Keys bei und es steht ein richtig guter Song, dem man eins auf gar keinen Fall abstreiten kann: Dynamik.
Gleich im Anschluss folgt schon der Titeltrack in traditioneller Reitermanier. Schamlos peppen sie die deutschsprachigen Strophen und Bridges mit englischen Lines im Refrain auf, der herrlich durch Pferdegewieher eingeleitet wird. Groovende Brachialgitarren überlassen mal einer Akustikgitarre das Feld um nach wenigen Zeilen vom hymnischen We are Riders on the storm im Galopp weggefegt zu werden.
In „Seemann“ kommen die ersten Streicher zum Einsatz und wenn nur der Mainriff nicht so stupide wäre, wäre der Song auch ein Knaller – so ist er leider doch eher nix. Einen richtigen Mörderriff findet man allerdings schon in „Der Adler“, der ein Referenzstück für den Reitersound ist. Einfach dirty, wie hier die verschiedenen Elemente nahtlos ineinander greifen und wie fett in der krachigen Bridge dazwischen platzt.
Nach einigen weiteren krachigen Reiter-Hymnen mit verschiedensten Variationen folgt als achter Track mit „In The Land Of White Horses“ das erste Instrumental, das zwar ein wenig sehr Orgel lastig ist, aber auch schöne Cembaloparts hat.
Selbst die Legierung von Leicht- und Schwermetal im Stück „Liebe“ geling vorzüglich. Und wer würde nicht schwach bei dem Text „Ich suche nach der reinen Liebe, bei der die eine Seele die andere berührt“. Dabei isses ja immer so eine Sache, wenn man ein Stück mit Klavier beginnt und dann aus der vermeintlichen Schnulze noch etwas Hartes werden lässt.
Einen kleinen Aussetzer gibt es aber doch noch ein bisschen mit „Schenk mir heut Nacht“, der ein wenig überladen mit Synthies ist und ein wenig zu quäkige Gitarrensoli hat, von dem Pseudo-Bläser-Intro mal abgesehen. Dafür gehen die beiden Folgetracks aber wieder straight noch vorne und sogar so sehr, dass man über den etwas zu bunten Outro-Song hinwegsehen kann.
Insgesamt ist die Platte schon so gut, dass ich sie aus meiner Sicht ein Comeback war, auch wenn die Reiter für einige ja auch nie weg waren.
Eine kleine Randnotiz muss ich nun aber doch noch machen. Das dicke Metal-Label Nuclear Blast, das fast alle relevanten Metal-Alben veröffentlich, hat nen lustigen kleinen Schnitzer bei der Promo-CD gemacht, die mir hier als Vorlage dient. So wollten sie die CD unbrauchbar machen, indem sie in fast jedes Lied einen kleinen Promo-Spruch in den Song reingemixt haben, weil ja jeder Journalist potentieller Raubkopierer ist. Nur leider verhaspelte sich der Depp, der den Kram rein gesprochen hat total, und man hielt es wohl auch nicht für nötig das doofe Gestotter rauszuschneiden, sodass es nun bei jedem Lied tönt: „Liebe äh äh [stottert fürchterlich] – Sehr geehrte Damen und Herr, Sie hören das brandneue Album „Riders On The Storm“ der Apokalyptischen Reiter“. Schön, dass auch noch den großen so blöde Fehler passieren.











