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"Not Afraid Of Spiders" von Mad EP
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"Not Afraid Of Spiders" von Mad EP

ad EP heißt eigentlich Matthew Peters und kommt aus New York und begann mit seinem achten Lebensjahr das Cellospiel, sechs Jahre später widmete er sich dem Studium der Musiktheorie, Komposition und Improvisation. Nach begonnenem Cellostudium schrieb sich der Amerikaner in Montreal für Sound Recording und Digital Media ein und produzierte nebenbei für experimentelle Theaterproduktionen und Webprojekte. „Not Afraid Of Spiders“ ist ein gelungener Genrefuck, der nicht nur verkopften Musikentschlüsselern sondern auch Partypeople Spaß macht.

Seine Musik ist seinem Lebenslauf entsprechend eine Symbiose aus elektronischen Arrangements und klassischen Instrumenten. Zahlreiche Musiker sind außerdem als Gäste vertreten, so dass eine große Vielseitigkeit gegeben ist. Auch Genres werden wild durcheinander geworfen, allerdings wirkt das Album äußerst stringent und homogen. Das ist ein bisschen wie mit Pizza. Auf Pizza kann man auch total verschiedene Sachen drauflegen, trotzdem bleibt es Pizza. „Not afraid of Spiders“ ist halt zumeist Breakbeat – mal mit Ananas, mal mit Spinat, mal mit Peperoni.

Das Album beginnt überaus fulminant. „Acid Jig“ hat ne ziemlich üppige Hand voll Groove am Start; die herrlich organischen Drums machen einfach nur Spaß, veranlassen mich sogar meine Fingern beim Tippen dieser Zeilen tanzende Bewegungen machen zu lassen. Und wenn Orgel und Monsterbass reinschneien, geht’s auch richtig nach vorne, sodass der Song ein Referenzstück für extravagante Clubmusik ist.

Im zweiten Track schnappt sich der beinah-Dauergast equivalANT das Mic und gibt den relativ smoothen Beats ein aggressives Pendant mit seinen Raps. Aber auch auf der instrumentellen Ebene spielt in sich „Fit To Die“ eine Menge ab. Ganz am Boden, manchmal gar nicht richtig wahrnehmbar grummelt ein Bass virtuose Lines, während elektronisches Klimpern und Piepen nach Aufmerksamkeit heischen.

Die erste größere Kollaboration ist unter der Nummer fünf mit „Nicoffeine“ am Start und könnte ein Kunstwort für mein Frühstück sein. Hierfür wurde auch ein Drummer ins Boot geholt, außerdem spendiert besagter equivalANT einige Shouts. Das Schlagzeug hat einen Hammersound: Ein Wechsel aus groovigen Snare-Toms-Parts auf der einen Seite und HiHat und Beckenballern auf der anderen lassen den ganzen Körper zappelt. Wenn dann noch der willkommene Gast Lamberty Flöte und Saxophon wunderschön warme Töne entlockt schmilzt mein Herz dahin. Was mein Endorphinhaushalt zum galant eingeflochtenen Rauschen, Surren und zum ab und an wummernden Bass sagt, müsste in Großbuchstaben geschrieben werden…

Ein etwas fragilerer Song zeigt sich an sechster Stelle unter „Smiling in Gridlock“, der eine schwer greifbare Komposition von Dub, der sich Glitch-, Jazz- und Hardcoreelemente unterstellen lassen. Aber: Großes Kino!

Einen richtigen Schmankerl finden wir noch mit „Underbite“. Angenommen Magagin hätte nicht so eine rigoros, alles gleichschaltende Chefredaktion, würde ich jetzt Assoziationen wagen wie: Das Stück ist für mich die vertonte Reise von Odysseus vorbei an den Sirenen. Fahrig und ruhelos geht die Reise von statten, während Cybersirenen ihre piependen Stimmen im Donnergrollen erheben. Ob das immer wieder eingeworfenen Knattern von Helikopterrotoren Mutter diesen verqueren Weg über meine Synopsen hin zu dieser Assoziation gewiesen hat – man weiß es nicht.

Fetten Groove gibt’s noch mal mit dem Folgetrack „Watch To Step“. Kompromisslose Raps liegen auf einem ruckeligen Drumset, das durch lustige Konga-Fill-Ins gekonnt aufgelockert wird. Die stoisch schreitende Bassline ist ein sicheres Fundament für die Sperenzchen, zu denen sich auch ab und an man ein Geräusch gesellt, das mich an Heuschreckenzirpen erinnert.

Erwähnung muss zuletzt noch der Track „60202 Strut“ finden, in dem Matthew Peters sich die Ehre am Cello gibt. Herrlich ist ein Zusammenspiel mit der Trompete. Und organisches Schlagzeug und Bass tun dem Track auch so dermaßen gut, dass sie im Zusammenspiel mit Trompete und dem Rest das Label Hymen Records zum Vergleich mit Miles Davis hinreißen lassen. Sehr funky ist es in jedem Fall.

An diesem lustigen Stück lassen sich allerdings noch mehr Punkte festmachen, die das ganze Album auszeichnen. Zum einen steht es für mich ein wenig für die unbestreitbare Vielseitigkeit des Albums und die kompositorische und produktionsbezogene Sicherheit von Mad EP. Zum anderen ist das Stück auch bezeichnend für die offensichtliche Harmonie beim Musizieren. Musikalisch passt natürlich alles prima zusammen, aber auch die Tatsache, dass viele Menschen am Alben eines Solokünstlers teilhaben zeigt, dass Matthew Peters eben nicht zwangsläufig ein Bedroom-Artist ist, sondern auch Sozialkontakte pfleg und schätzt. Schlussendlich ist auch Hymen Records Chef Stefan Alt, derjenige, der in der Danksagungsliste im CD-Innern als zweiter gewürdigt wird.


Bilder:
www.starkey-music.com
www.psychasthenia.com

S. Krutzinna
titel
01 acid jig | 02 fit to die [still standing remix] | 03 loco’s crib | 04 stealing your last breath | 05 nicoffeine | 06 smiling in gridlock | 07 velvet pudding mold | 08 retner mantis bass | 09 underbite | 10 watch yo step [damn ep mix] | 11 60202 strut | 12 exitus | 13 deconstruct this
Release: 04.09.06 bei Hymen Records
|http://www.hymen-records.com/|
Künstler-Homepage: http://www.mad-ep.com
cover
Bewertung:
5/5