us New York kommt das Quartett Supersystem, das im vergangenen Frühjahr mit seinem Debütalbum “Always Never Again” bereits einen kleinen Kracher landen konnte. Jetzt kommt der Zweitling “A Million Microphones”, der gleich einen sehr guten Eindruck machte.
Supersystem haben mir gestern vielleicht den Tag gerettet. Ich hatte einen dieser Momente, wo man nichts gebacken kriegt und am Liebsten den Rest seines Lebens mit guter Musik im Bett verbringen möchte. Ich beschloss, genau das zu tun, knallte “A Million Microphones” in den CD-Player und legte mich angezogen aufs Bett. Rund 42 Minuten oder 11 Songs später sah die Welt schon wieder besser aus.
Es ist einfach Klasse, wie die Band Hip-Hop, Weltmusik und Elektronik zusammen bringt und dabei eine genial-brachiale Portion Punk einfließen lässt. Da steckt alles noch in den Kinderschuhen, ist innovativ - mir sonst eigentlich nur von The Faint bekannt. Wer einfach mal keinen Bock mehr auf die verkiffte Lässigkeit Englischer Newcomer-Bands hat und auch die verschmutzt-coolen Visagen skandinavischer Rockgrößen nicht mehr sehen kann, darf sich hier ruhig mal ordentlich die Ohren freispülen.
Wie diese Vielfalt beschreiben? Was hervor heben? Groovige Rhythmen treffen arschcoole Gitarrenlines treffen allerlei verschiedene Schichten von Lead-Synthesizern treffen Gesang, der unaufgeregt klingt und irgendwie immer aus der Ferne kommt, den Vokoder immer griffbereit. Hier lässt sich der Verweis auf The Faint sicher am deutlichsten festmachen.
Dem einen oder anderen mag es auf den Zeiger gehen, wie eklektisch Supersystem sich am Synthi-Buffet und an der Rhytmus-Bar bedienen. Ich finde es in Songs wie “The Lake” und “White Light/White Light” zumindest grenzwertig. Das ist einfach nicht so geil produziert wie z. B. bei den Xploding Plastix; besonders das Schlagzeug klingt manchmal einfach zu sehr nach selber gemacht, nach Fruity Loops. Aber: Die Band ist jung, sau-talentiert und auf einem guten Weg.
“The Only Way It’s Ever Been Done” muss in die Disco. Schwer-bouncender Beat. “Earth Body Air” und “Prophets” sind meine Favoriten auf dieser ausgeglichenen Platte. Ruhiger gehen es “Eagles Fleeing Eyries”, "Joy" und "Revolution Summer" an, aber das ist ja alles relativ. Ausruhen kann man sich in diesem stürmischen Werk überhaupt nicht, denn jedes Stück haben die mit Sicherheit mehrmals zerstückelt und wieder zusammen geklebt. Vielleicht würden die Boards Of Canada so klingen, wenn sie einen Sänger engagieren und ihre Songs auf drei Minuten Länge beschränken würden.
Es ist eine große Idee, die Supersystem vertreten. Wenn das alles noch ein wenig reifer und runder wird haben wir ein neues großes Indie-Ding aus den Staaten. Zwei Alben gibts schon - und es ist ja allgemein bekannt, dass die dritte CD die beste wird. Ich bin jetzt schon begeistert und schau gleich mal im Plattenladen nach dem Debütalbum “Always Never Again”.











