ll Shall Parish wurde mir einst von einem metallischen Plattenhändler ans Herz gelegt, bei dem ich sonst Haemorrhage-CDs gekauft hatte. Mit finsterem Blick schob er mir das Erstlingswerk „Hate.Malice.Revenge“ zu und ich spielte es im Laden an. Nach wenigen Tracks hatte ich mich zum Kauf entschieden und war begeistert von der Vielseitigkeit mit der die Kalifornier mir der Bregen wegpusteten. Zuhause kam dann ein wenig die Ernüchterung, weil All Shall Parish in den letzten zwei Dritteln nicht wirklich das fortsetzen konnten, was sie begonnen hatten.
The Price Of Existence soll allerdings das Vorgängeralbum toppen und so bin ich gespannt, was mir nun geboten wird.
Ich denke was ich am meisten bei All Shall Parish mag ist, dass sie die beschissenen Gitarrensoli auch mal weglassen, die mir zum Beispiel Iron Maiden unerträglich machen. Und wenn Chris Storey schon mal meint ein Solo spielen zu müssen, legen zumindest die Kollegen nicht die Hände in den Schoß, sondern feuern einfach brutal weiter. Diese Eigenschaft macht womöglich All Shall Parish zu dem das was sie sind – eine schwer in Schubladen zu packende Band. Vieles deutet auf Death Metal hin, besonders das handwerklich sehr saubere Zusammenspiel und die große Dynamik. Drummer Matt Kuykendall ist ausgesprochen rührig, hat vom Dubblebass-Treten sicher Füße wie ein Kamel (hab neulich eins gesehen – die haben wirklich dicke Füße!) und Herman Hermida screamt in allen Höhen teuflisch sicher.
Auf der anderen Seite bedienen sich All Shall Parish wie in „Better Living Through Catastrophe“ auch einiger Elemente, die der Black Metal für sich beansprucht. Betulich geht es zunächst zu, ohne etwas zu überstürzen, zupfen die beiden Gitarristen warme Melodien und spiele sich gewissermaßen die Bälle zu, während das Schlagzeug auf eine sehr flinke Art es versteht die Riffs zu untermalen. Beim Wechsel in die ersten Akkordfolgen steigt Hermida mit differenzierten Screamings ein und in der später folgenden koitalen Ekstase, in der sich die Instrumente und die Stimme zu einem harten und schnellen Durcheinander vereinigen, bleibt auf Grund der sehr sauberen Produktion jeder Ton erkennbar – nichts geht unter. Hier begegnet dem Hörer auch mal ein Solo, das aber bei Weitem nicht so pathetisch und abgeschmackt ist, wie bei den bei mir verschrienen Power-Metal-Bands.
Damit ich Mike Tiner, den Bassisten der Band, auch mal erwähne, komme ich auf den Track „Prisoner Of War“ zu sprechen. Wobei ich natürlich All Shall Parish für so einen dämlichen Songtitel verkloppen könnte – also physisch wäre ich freilich sicher nicht dazu in der Lage, zumal die sicher auch tätowiert sind und alles – aber, egal… ihr wisst schon was ich meine. Der Track beginnt mit nebulösen Synthie-Streichern und Orgel, was zwar ein bisschen an Evanescence erinnert, aber eigentlich ganz gut tut. Darauf brechen die tiefen Instrumente über der frommen Instrumentierung ein und der Bass hat hier einen Part in dem er zusammen mit dem Schlagzeug in tiefster Tiefe den Rhythmus mal alleine vorgibt – sonst geht er schon ein wenig unter, aber das ist halt bei metallischer Musik nun mal häufig so. Als wenn Mike Tiner hier Blut geleckt hätte, lässt er sich in einigen Bridges noch weiter dazu hinreißen, muntere kleinere Licks zu grummeln. Die Gitarren finde ich hier allerdings schon wieder ein bisschen schwach, sie sind mir leider nicht hart genug.
Totale Scheiße verzapfen die fünf Amerikaner allerdings im „Interlude“, das entfernte Assoziationen zu Metallica-Balladen weckt, aber diesem sich mir aufdrängenden Vergleich hinten und vorne nicht gerecht wird. Der einzige Trost ist, dass das Hauptmotiv dieses Exkurses im folgenden Track „We Hold These Thruths“ wieder aufgegriffen wird. Aber beim dritten Mal durchhören, kann das auch nicht mehr wirklich trösten. „We Hold These Thruths“ allerdings besticht durch feinstes Geprügel, wo es wirklich mal wieder richtig hoch hergeht. Sehr groovige Riffs und harte Breaks stellen hier mal wieder die Metalcore-Komponente in den Vordergrund, was auch noch eine Spur deutlicher in „The True Beast“ geschieht, welches wohl mein Favoritentrack des Albums ist.
Die angekündigte Steigerung zum ersten Album ist nach meinem Empfinden eindeutig gelungen. Der vorletzte Track ist auch noch Sahne, im letzten Stück „The Last Relapse“ muss ich meinen Ohren allerdings epische Metalchöre zumuten, wobei der dadurch entstehende Groll vom Rest des doch eher melodischen Songs nicht endgültig verscheucht werden kann. Vielseitigkeit wird in jedem Fall geboten, auch wenn man dafür manchmal schon gut hinhören muss, da auch einiges während des vordergründigen Geschrammels passiert. Wer schnelle, harte und vor allem tiefe Musik aber mag und nicht total im 80er- und 90er-Metal festsitzt, findet in „The Price Of Existence“ aber ein interessantes Werk. Nuclear Blast hat gut daran getan, die Amerikaner vom japanischen Label Amputated Vein Records abzuwerben.











