immy LaValle ist The Album Leaf. Er stammt aus San Diego, Kalifornien, verkroch sich aber für die Aufnahmen zu seinem vierten Album bei den Kumpels von Sigur Rós in deren Studio in Rejkjavik, Island. So hat auch Birgir Jon Birgisson “Into The Blue Again” produziert und LaValles elegischen Landschaften einen großartigen Sound verliehen. Ein Abend zwischen genervter Ablehnung und lustvollem Schwelgen mit einem bemerkenswerten Album.
Ich will mich verzaubern lassen von “Into The Blue Again” und plane die Hörsession schon im Vorhinein: Warten auf den Abend, nüchtern bleiben. Dann Kerzen anmachen, Yogi-Tee aufsetzen und den Sound meine Wohnung füllen lassen. Soweit so gut, der Opener “The Light” läuft, enttäuscht mich aber erstmal. Ich stelle kaum eine Spannungskurve fest, bemerke eher nivelliertes Easy-Listening. Multi-Instrumentalist LaValle hat fast alle Parts selbst eingespielt und, jetzt sind wir schon bei “Always For You”, er singt auch ab und zu. Seine Stimme klingt hölzern, das passt zu den scheinbar profillosen Arrangements und wird hier auch noch von einem nervigen Lead-Synthesizer voller Glissandi begleitet.
Ich blicke in das diffuse, weiß-rote Getränk vor mir und frage mich, warum ich mit dieser Platte noch nicht zurecht komme. Es hört sich ja eigentlich alles schön an, LaValle konstruiert angenehme Soundlandschaften mit glänzenden Keyboards und reichen Elektro-Drums. “Shine” ergänzt diese Sammlung durch original Schlagzeug und eine Violine, was der Musik einen deutlich organischeren Touch gibt. Man muss sich mal vorstellen, dass all diese Musik aus einem Menschen heraus gekommen ist - vielleicht fehlt für meinen Geschmack nur ein wenig frisches Blut? Auf seinem letzten Album “In A Safe Place” hatte LaValle ja noch Sigur Rós-Sänger Jon Thor Birgisson, Pall Jenkins von The Black Heart Procession sowie eine ganzes Ensemble an weiteren Musikern mitwirken lassen.
Nach “Writings On The Wall”, wieder mit Gesang, finde ich bei “Red Eye” endlich meinen Zugang zu der CD. Ist es die düstere Eingängigkeit, die wirklich klug und effektvoll eingesetzt wird? Vielleicht ist es die Erkenntnis, meine Anforderungen mehr in Richtung Downbeat zu wenden, die mich diesem Album näher bringt. Bei The Album Leaf darf man nicht Mogwai oder Sigur Rós erwarten, ganz einfach. So frage ich mich bei den nächsten beiden Songs “See In You” und “Into The Sea” nicht mehr, was die phonetische Ähnlichkeit der Titel eigentlich soll, sondern entdecke lieber die äußerst liebevolle Klanggestaltung, besonders auffällig im Beat von “See In You”.
“Wherever I Go” ist dann auch folgerichtig das Herzstück von “Into The Blue Again”, wo Instrumentenvielfalt und Gesang zu einem dichten Song mit Ohrwurmcharakter kulminieren. Ich kann mich jetzt mit den Vocals anfreunden und stoße mich auch nicht mehr an Zeilen wie “You are here with me and I am here with you”. Den Schlusspunkt setzen das verträumte “Wishful Thinking” und “Broken Arrow”, das mich mit einem sehr an Grillenzirpen erinnernden Synthi-Geräusch an die fortgeschrittene Uhrzeit erinnert.
The Album Leaf haben ein bemerkenswertes Album geschaffen; es ist ein interessantes Werk außergewöhnlich gut und liebevoll produzierter Musik, die trotzdem nicht gleich zufrieden stellt. Abwechslungsreich ist die Orchestrierung, die sich sowohl im elektronischen als auch im akustischen Bereich bedient. Die kompakte Experimentierfreudigkeit von Mogwai ist ebenso wenig zu erwarten wie der ausufernde Schmerz Sigur Rós’. Im Endeffekt hat der Promo-Text mal wieder recht, wenn er sagt: “Ein Album, das einen erneuten Abschnitt im Schaffen von The Album Leaf markiert.” Ich füge hinzu: Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Popmusik ist damit (noch) nicht erreicht.












