arc Mœdea und Gabriel Séverin sind Silk Saw. Das vorliegende Album „8 Reports“ ist kein Easy-Listening, vielmehr verstört es, wühlt auf, aber überzeugt. Dennoch ist es kein reines Nerv-Album, sondern hat durchaus seine unterhalterischen Qualitäten.
Eins vorweg. Um 8 Reports genießen zu können braucht man auf jeden Fall eine ordentliche Anlage mit guten Boxen und – was mindestens genauso wichtig ist – chillige Nachbarn, die nicht gleich ausrasten, wenn man den Volume-Regler der guten Anlage auch benutzt. Alternativ können es auch Kopfhörer tun, die auch im unteren Frequenzbereich am Start sind. Eine empirische Studie brachte mich zu dieser Erkenntnis. Eine beschissene WG-Gemeinschaftsküchen-Stereo-Anlage sollte mir mal zeigen um was es so grob bei der CD geht und eine vorbeistreunende Mitbewohnerin schaltete beherzt die Anlage aus, in der Annahme es handele sich bei Silk Saw um den Frequenzbereich zwischen zwei Radiosendern.
Tatsächlich wird viel gerauscht und geknackt, sodass man leicht zur Annahme kommt, es handele sich hierbei um das ungewöhnliche Genre Glitch. Allerdings nutzen Silk Saw die für Glitch elementaren Störgeräusche eher peripher – sie sind Stilmittel um Atmosphäre zu schaffen. Musik dieser Art genussvoll zu konsumieren braucht ein wenig Übung, denn sie kann abschrecken, wenn man nicht vertraut ist mit den sphärischen, perkussiven und strukturarmen Stücken, wie sie vielleicht auch Venetian Snares macht.
8 Reports ist allerdings im Grunde ein eher ruhiges Werk, dessen Herzstück meines Erachtens der zweite Track „Faceless“ ist und auch die beiden Künstler halten es für das vielleicht beste Stück. Der Sound hat etwas von Kanalisation, tropfende Töne mit dunklem Hall fliegen durch den akustischen Raum, der aber noch von einer Vielzahl weiterer Meteoriten durchkreuzt wird. Diese kumulieren zum Ende des Tracks vordergründig dezent aber in Relation zum abgesteckten Rahmen geradezu feuerwerksartig.
Auch wenn das Album einen recht homogenen Grundton hat, was durchaus gewollt ist um ein unterbrechungsfreies Hörerlebnis zu garantieren, finden sich auch zugänglichere Tracks. Zum Beispiel „Fagotted“ ist in seinem Aufbau deutlich strukturierter und somit zugänglicher. Aus faserigen Anfangsgeräuschen schält sich ein einfacher, rhythmischer Beat, der durch die achtminütige Tonwelt aus sanften Midi-Sounds, Synthezisern und weiteren wechselnden Drummustern geleitet. Trashige Breaks brechen mitunter dazwischen, deren Snares so hart verzerrt sind, dass man nur heiseres Rauschen wahrnimmt. Nicht frei von Ironie klingt das Lied mit munteren Orgeln aus, bei denen man feststellt, dass sie eigentlich die ganze Zeit dabei waren und nur ganz zum Schluss einen offeneren Auftritt haben.
Als Fan von tiefen Tönen komme ich beim nur vierminütigen „Failure“ auf meine Kosten. Eine Bassline, die an Scratches unter Wasser erinnert, wummert durch den Track und fiebriges, hohes Knistern huscht von Links nach Rechts über die Lautsprecher.
Mein Fazit fällt mir schwer. Die Musik ist gut, das kann man so einfach schon festhalten und vielleicht reicht das auch schon. Allerdings drängen Bedenken nach der Alltagstauglichkeit ein wenig danach Erwähnung zu finden, womit sie auch nicht ganz daneben liegen. Denn 8 Reports kann nicht beim Lesen gehört werden oder noch viel weniger beim Unterhalten mit irgendwem. Dafür fordert Silk Saw zuviel Aufmerksamkeit. Die verbleibende Situation allein oder gemeinsam andächtig lauschend der Vertonung urbaner Düsternis zu frönen, ist auch nicht unproblematisch. Denn etwa in „Sleep will come“ sind nicht nur Ereignisse recht rar gesät sondern auch der eigentliche Sound ist leise und schläfrig, was bei einem acht Minuten-Track dann doch die Gedanken schweifen lässt.
Dennoch muss man den Hut ziehen vor der Leistung, die Silk Saw verbracht hat. Die akustische Darstellung von Urbanität, von Menschsein und Vergänglichkeit in dieser Färbung sind meines Erachtens einmalig.











