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"Fauve" von Fauve
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"Fauve" von Fauve

orhin ging ich im Wald spazieren. Die Sonne schien, über mir glitzerte ein buntes Blätterdach. Die Luft war kalt und frisch, meine Gedanken wurden klar und ruhig. Plötzlich stand ein Wesen vor mir - der Kopf war der eines Hasen, der Körper dagegen menschlich. In der Hand hielt es eine Leine, an deren Ende eine kleine Ente trabte. Niedlich, dachte ich, und doch spürte ich ein kaltes Gruseln über meinen Rücken laufen.

Jetzt bin ich wieder zuhause und habe Gelegenheit, dieses Erlebnis, das mir jetzt gar nicht mehr so wirklich vorkommt, nieder zu schreiben. Eigentlich und vor allem war es Nicolard Julliard, der mir Hirngespinste verpasste. Der Mann mit dem musikalischen Namen singt, spielt und programmiert als Fauve durch die Welt, die ihm offensichtlich nicht genug zu bieten hat. Denn seine Songs wollen großer Pop sein, das hört man, aber sie sind so erfrischend anders, dass man sich ständig wundert. Der Mann stellt Hörgewohnheiten einfach so auf den Kopf. Hokuspokus.
Fauve (gesprochen “Foof”) tritt dabei auf wie der irische Dandy Neil Hannon von The Divine Comedy. Die Stimme liegt im Bauch eines Weinglases, das einen edlen Tropfen beherbergt: Vollmundig, warm, mit einer extravaganten Note. Dazu ist Julliard ein Multi-Instrumentalist, der sparsam, aber gekonnt auf Cello, Flöte, Klarinette, Ukulele und mehr zurück greift. In seinen Arrangements scheint man auf einer fantastischen Ebene zu schweben, in einer scheinbar-freundlichen Zauberwelt, die eine surreale Unheimlichkeit beherbergt. Fauve ist das französische Wort für die großen Katzentiere dieser Welt: Passend schleichen immer Tiger, Löwe und Leopard im Hintergrund herum und folgen dir auch dann noch, wenn du die CD schon längst gegen ein Popmonster deiner Wahl eingetauscht hast.

Der Genuss dieses selbstbetitelten Albums ist also nicht ungefährlich. Die latente Spannung eines David Lynch-Films wohnt ihm inne und trotzdem: Bei Liedern wie “silent witness” oder “the thin skin”, glaubt selbst ein junger Hase wie ich, er könne die Welt retten. Als Aussetzer dagegen verstehe ich den Song “after the tongue” - hier geht mir der fröhlich-ironische Touch einfach ein bisschen auf die Eier.
“Fauve” ist halt ein ungewöhnliches Album, das von vorne bis hinten “INDIE” flüstert. Natürlich werde ich das Album wieder zur Hand nehmen und mich verzaubern lassen. Die Platte ist so liebenswürdig gemacht, das man gar nicht anders kann. Der Schweizer Julliard ist ein großer Musiker und talentierter Songschreiber, dem eigentlich ein großer Teil des Musikbusiness zu Füßen liegen müsste. Selbstverständlich liegt es aber an Freaks wie uns, dem Meister zu huldigen und Zeit und Verrücktheit aufzubringen. Um zu lernen wie man “Fauve” betritt. Wie man es wieder verlässt. Und wie man immer wieder damit klar kommt.

K. Haller
titel
01 don`t just stand there | 02 cyberite | 03 on / off | 04 suddenly summer lasts | 05 silent witness | 06 cloudy | 07 sundown | 08 the analyst | 09 three magic words | 10 youre beautiful | 11 one of these days | 12 after the tongue | 13 the milkman`s wife | 14 uke can`t get away from me | 15 the thin skin | 16 railway lines
Release: 27.10.06 bei Gentlemen
|http://www.gentlemen.ch/|
Künstler-Homepage: http://www.fauve.info
cover
Bewertung:
4/5