s kann noch viel passieren, alles ist offen, nicht entschieden – die gerne bemühten Standardfloskeln in Bezug auf die Fußball-Bundesliga gelten auch nach dem 22. Spieltag noch, sowohl ganz oben wie ganz unten. Allerdings zeichnen sich mittlerweile immer deutlicher einige Tendenzen ab.
Die Bayern spielen, wie in besten Hitzfeld-Zeiten um den Jahrtausendwechsel, routiniert ihren Stiefel herunter und gewinnen abgezockt 1:0 auf Schalke – zu dem gewohnten, typisch bayrischen, Ergebnisfußball gönnt man sich jetzt allerdings auch noch den Fußball-Anarcho Franck Ribery, dem weitgehend freie Hand gelassen wird und der mit seinen überraschenden Aktionen immer wieder Löcher in die gegnerische Verteidigung reißt. Mit einer dieser Aktionen leistete der Franzose dem gebürtigen Polen Miroslav Klose auch noch Aufbauhilfe Ost: Er stieß beherzt bis zur Außenlinie vor, schoss Klose ab und verhalf ihm so zum Ende seiner Torflaute. Der Rest der Mannschaft agierte gewohnt souverän und man scheint sich den Titel nun nicht mehr nehmen lassen zu wollen.
Aber: Der Bremer 2:0-Sieg gegen ungefährliche Dortmunder hatte derweil eine besondere Wertigkeit, wurde er doch ohne das Stamm-Mittelfeld (Baumann, Frings, Borowski, Diego) eingefahren. Auch die Hamburger konnten beim 4:1-Sieg gegen zu ängstliche Frankfurter überzeugen – hätten die Gäste ein wenig mehr riskiert, wäre der HSV wohl noch ins Schlingern gekommen, so aber hielt ein erneut gut aufgelegter Rafael van der Vaart seine Mannschaft 6 Punkte hinter den Bayern und damit immer noch in Sichtweite. Somit scheinen noch 3 Teams realistische Chancen auf den Titel zu haben.
Zwei Mannschaften scheinen sich dagegen erstmal vom Meisterschaftsrennen verabschiedet zu haben: Die Schalker durch eben jene Niederlage gegen München und Bayer 04 Leverkusen durch ein überraschendes 0:2 beim Vfl Bochum. Während die Schalker dabei erstmal genug mit sich selbst und ihrem Trainer auf Bewährung, Mirko Slomka zu tun haben und schweren Zeiten entgegengehen, scheinen die Leverkusener in dieser Saison mal stabil genug zu sein, einen Rückschlag wegzustecken und nochmal ins Meisterschaftsrennen eingreifen zu können. Die Zeit wird es zeigen.
Am Tabellende scheint alles auf ein „3 aus 5“ herauszulaufen: Duisburg, Cottbus, Nürnberg, Bielefeld und Rostock werden die 3 Absteiger unter sich ausmachen. Dabei hätten aufgrund ihrer bisherigen miserablen Saisonleistungen eigentlich alle den Abstieg verdient gehabt – hier wird noch viel Beton angerührt, werden noch einige Platzverweise kassiert und viele Tränen vergossen werden, bis die drei Absteiger endgültig feststehen.
Rätsel wirft dabei weiter der Nürnberger Niedergang auf, der auch durch den Trainerwechsel von Hans Meyer zu Thomas von Heesen nicht beendet werden konnte. Während dem Team seit Monaten von allen Seiten bescheinigt wird, eigentlich ja viel zu stark für den Abstieg zu sein, scheinen die Spieler eben jenes widerlegen zu wollen, und stecken damit sogar den alten Kämpen Jan Koller an. Dessen Leistungen sind wiederum ein Synonym für die Leistung der ganzen Mannschaft: Bemüht, engagiert aber hoffnungslos uninspiriert, ungeschickt und eigentlich mit dem Kopf ganz woanders, nämlich bei den gestrigen Erfolgen...
Bundesliga, 22. Spieltag: „1 aus 3, 3 aus 5“






