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Flucht aus Berlin
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Flucht aus Berlin

it Malik Fathi verlässt ein weiteres Eigengewächs Hertha BSC – warum vertraut Hertha BSC den eigenen Leuten nicht mehr?

In der Bundesliga steht Hertha BSC in dieser Saison jenseits von gut und böse: Sechs Punkte Rückstand auf einen UEFA Cup-Platz scheinen aufgrund der starken Konkurrenz und der eigenen unkonstanten Leistungen unüberbrückbar und die Saison damit jetzt schon gelaufen. Dabei wollte man in dieser Saison mit dem neuen Cheftrainer Lucien Favre eigentlich ganz vorne angreifen, und schon aus finanziellen Gründen ist eigentlich eine Europapokalteilnahme Pflicht.

Da reibt sich mancher erstaunt die Augen, dass die Berliner heute den Weggang von Malik Fathi verkündeten: Der Linksverteidiger, der in den vergangenen 5 Jahren zum Stammpersonal gehörte und es immerhin auf 123 Bundesliga- und 2 Länderspiele schaffte, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Spartak Moskau. Mit sofortiger Wirkung? Ohne Chance auf die Verpflichtung von Ersatz verkauft man einen international erfahrenen, trotzdem noch jungen und entwicklungsfähigen Stammspieler. Da fragt man sich: Wer soll nun bei Hertha links hinten spielen? Allzu viele bleiben nicht mehr übrig.

Dabei passt dieser Transfer durchaus in die unkonstante Berliner Transferpolitik: Seit einem Jahr läuft der Umbau der Mannschaft, seit letztem Sommer gab es 17 Abgänge, dafür kamen 15 Neuzugänge. Konstanz sieht anders aus. Dabei mussten viele altgediente Kämpen wie Neuendorf, van Burik oder auch Bastürk den Verein verlassen, soweit nichts ungewöhnliches im Profisport. Warum jedoch findet seit einem Jahr geradezu ein Exodus von jungen Talenten aus der Hauptstadt statt? Mit Ashkan Dejagah, Christopher Schorch, Nico Pellatz, den Boateng-Brüdern und Robert Müller verlor die Hertha in den letzten 10 Monaten 6 hoffnungsvolle Talente.

Dazu kommt jetzt Fathi, ebenfalls ein Eigengewächs, das sich gerade als bewährte Bundesliga-Stammkraft etabliert hatte. Gleichzeitig wird fleißig investiert in ausländische Spieler, bevorzugt aus der Schweiz. So fanden Tobias Grahn, Steve van Bergen, Jaroslav Drobny, Lucio, Fabian Lustenberger, Andre Lima, zuletzt Raffael, Rudolf Skacel und Gojko Kacar den Weg an die Spree. Beim 1:1 bei Borussia Dortmund letzten Samstag standen prompt 6 Neuzugänge in der Startformation, konnten dabei jedoch ebenso wenig überzeugen wie schon in den vorhergegangenen Spielen.

Bei all dem hin und her scheint den Verantwortlichen das Konzept zu fehlen. Warum werden Jugendspieler ausgebildet, wenn diese dann noch vor ihrem eigentlichen Karrierebeginn günstig abgegeben werden? Warum werden Stammkräfte mitten in der Saison abgegeben? Warum wird da eine Erneuerung in einem Maße forciert, das völlig unangemessen scheint? Manager Hoeneß scheint kein Vertrauen in das eigene Personal zu haben und vertraut blind Favre und dessen wildem Neuerungsdrang. Dass es dabei eben nicht nur mit Neuzugängen geht, sondern man vielmehr ein funktionierendes Gerüst aus etablierten Spielern benötigt, lässt man dabei völlig außer Acht.

Zuletzt sorgte in der Hauptstadt die Meldung für Wirbel, der AS Rom sei an einer Verpflichtung von Hertha-Kapitän Arne Friedrich interessiert. Aber wahrscheinlich wird sich auch für ihn ein brasilianischer, schweizer oder kroatischer Rechtsverteidiger finden lassen, der lediglich eine kurze Eingewöhnungszeit benötigen wird.

F. Haller