as vermeintliche Spitzenspiel zwischen Hamburg und Schalke (0:1 bzw. eher Not gegen Elend) rückte am Wochenende in den Schatten des Ostderbys. Cottbus und Rostock boten eine Partie, deren Qualität vor allem durch die unglaubliche Dramatik zustande kam. Zum unfreiwilligen Hauptdarsteller avancierte dabei Rostocks Torhüter Stefan Wächter.
Aber fangen wir von vorne an. Nach Rostocks Führungstreffer durch Cetkovic bissen sich die Lausitzer an der guten Abwehr der Hansestädter die Zähne aus. Die vermeintliche Schwächung durch den Platzverweis gegen Mitreski schlug aber ins Gegenteil um. Der mazedonische Innenverteidiger ging vollkommen übermotiviert in zwei Zweikämpfe und sah deshalb gelb und gelb-rot kurz nacheinander. In der zweiten Halbzeit drückte Cottbus in Unterzahl auf den Ausgleich, den der starke Kapitän Timo Rost knapp zehn Minuten vor Schluss per Kopf auch besorgen konnte. Die Vorlage kam in dem seit Wochen formstarken Ervin Skela.
In der Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse: Vasiljevic traf nach Skela-Pass nur die Latte; Rockstocks guter Torwart verletzte sich bei dem Versuch einer Rettungstat. Der Abend wurde ein tragischer für Stefan Wächter, weil sein Trainer Pagelsdorf bereits dreimal gewechselt hatte und nicht mehr tauschen durfte. Also blieb er mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Feld und konnte den Führungstreffer in der 90. Minute durch Rangelov nicht mehr verhindern. Jedem im prall gefüllten Stadion der Freundschaft und natürlich allen Fernsehzuschauern sträubten sich die Haare, als Wächter mit dem verletzten Bein abzuspringen versuchte und einfach nicht mehr wegkam, den Ball nicht entscheidend ablenken konnte. Vielleicht hätte Wächter nicht erst danach das Trikot an seinen Mitspieler Sebastian und sich selbst in medizinische Behandlung übergeben sollen. Kurz danach die Schreckensmeldung: Das Kreuzband ist gerissen, Wächter wird seinem Verein sechs Monate fehlen.
Vielleicht hatte Wächter bei seiner Entscheidung, auf dem Platz zu bleiben, Bert Trautmann als Vorbild im Sinn. Der gebürtige Bremer wurde in England zur Legende, als er sich im FA-Cup-Finale von 1956 in der 75. Minute verletzte und - weil damals noch keine Auswechslungen erlaubt waren - weiter spielte und sein Tor erfolgreich verteidigte. Wenige Tage später erst kam raus: Trautmann hatte sich das Genick gebrochen! Dass er überhaupt noch lebte war ein medizinisches Wunder.
Trotzdem bleibt die Frage: Hätte Wächter nicht besser gleich gehen sollen? Man kann darauf natürlich nur mit purer Spekulation antworten. Nicht hoch genug einzuschätzen ist jedenfalls der Einsatzwillen Wächters - und von dieser kämpferischen Tugend kann man im Abstiegskampf ja bekanntlich nie genug haben.








