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Geld und Tore
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Geld und Tore

er Spruch „Geld schießt Tore“ ist allseits bekannt und gilt als Inbegriff der globalisierten und kommerzialisierten Fußballwelt. Woher er allerdings stammt und wer diese Worte in welchem resigniert-verbitterten oder siegestrunken-herablassenden Fußballmoment einst ausgesprochen hat, ist längst vergessen. Dieser Tage wird er jedoch in den Sportteilen deutscher Zeitungen bemüht wie kaum ein zweites geflügeltes Wort, was vor allem am überzeugenden Titelgewinnen des FC Bayern München in Meisterschaft und Pokal und dem Durchmarsch des Dorfklubs 1899 Hoffenheim aus der Regional- in die Bundesliga liegt. Klubs, die viel investiert und viel erreicht haben. Doch es lohnt sich, auf diese Erfolge einen genaueren Blick zu werfen.

Als zu Beginn dieser Saison Hoffenheim als Neuling in der zweiten Liga einen klassischen Fehlstart hinlegte und Mäzen Dietmar Hopp tief in die Tasche griff, um die Spieler Chinedu Obasi, Djemba Ba und vor allem Carlos Eduardo zu verpflichten, war der Aufschrei groß. Von Wettbewerbsverzerrung war die Rede, besonders aus Mainz kamen einige Giftpfeile geflogen. Dazu wurden Vergleiche mit anderen von einem Mäzen abhängigen vereinen laut, wie dem FC Chelsea (Roman Abramowitsch) oder Red Bull Salzburg (Dietrich Mateschitz). Die Tatsache, dass Hoffenheim bald darauf eine Siegesserie startete, mag den Kritikern oberflächlich Recht geben – die Gründe für die jüngsten Erfolge liegen jedoch tiefer.

Das Geld geht in Hoffenheim andere Wege als z.B. bei Chelsea oder Salzburg: Es wird Wert auf langfristige Arbeit gelegt, ein Schwerpunkt liegt im Jugendbereich. Die Hoffenheimer B-Jugend führt die Tabelle der Junioren-Bundesliga an und hat gute Chancen auf die Meisterschaft. Dazu wird im Winter 2008 das neue Stadion fertiggestellt, und ein neues Geschäftszentrum mit modernen Trainingsplätzen befindet sich im Bau. Um ein anderes Bonmot zu bemühen: Man investiert in „Steine statt Beine“. Der Vergleich mit Chelsea hinkt zudem schon deswegen, weil die Hoffenheimer ganz unten anfangen mussten; Trainer Rangnick und Sportdirektor Peters begannen ihre Jobs in der Regionalliga. Umso höher ist nun der erneute Aufstieg zu bewerten.

Es ist der absolute Wille, für den Erfolg alle alten Zöpfe abzuschneiden, radikale Reformen durchzuführen und keine Rücksicht auf Personen oder Gefühlslagen zu nehmen. Natürlich ist das in einem winzigen Klub ohne große, ruhmreiche Vergangenheit wie Hoffenheim viel einfacher als in einem Traditionsverein wie beispielsweise dem FC Bayern, bei dem Manager und Trainer keinen Schritt ohne Beobachtung und Beeinflussung der mächtigen Granden und der Boulevardmedien tun zu können scheinen. Einen Stefan Effenberg, der sich regelmäßig aus den USA zu Wort meldet und jüngst verlauten ließ, er sähe die Verpflichtung Jürgen Klinsmanns als Bayern-Trainer ja nun eher kritisch, muss man in Hoffenheim eben nicht erdulden. Es gibt dort ja nicht mal Fans, die aufbegehren könnten, wie im Dezember auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern geschehen.

So konnte Hopp als Sportdirektor einen Bernhard Peters verpflichten, den der DfB vorher nicht haben wollte, weil er keine einflussreiche Lobby vorweisen konnte. So konnte Rangnick einen Manager Jan Schindelmaiser verpflichten, den Hannover 96 nicht hatte haben wollen, weil er zu unbekannt war. Und Rangnick selbst hatte es in der Bundesliga auch immer schwer gehabt; Spitznamen wie „Professor“ waren abfällig gemeint, man traute dem studierten Herrn ohne eigene Profierfahrung und Stallgeruch nie wirklich über den Weg. Sie alle haben die vermeintliche Fachwelt eines Besseren belehrt und bewiesen, dass viel Geld ohne unbedingten Erfolgswillen und Fachwissen nichts wert ist. Ein weiteres Beispiel: In Wolfsburg steckte Hauptsponsor VW seit Jahren Millionen in die Mannschaft, doch erst in dieser Saison kam mit Trainer und Manager Felix Magath das nötige Fachwissen und damit der Erfolg. Der Fürther Trainer Bruno Labbadia fasste es treffend zusammen: „Geld haben ist eins. Es sinnvoll zu investieren, etwas völlig anderes.“

Anders ist der Fall beim FC Bayern München gelagert – hier bestand die Transferpolitik der letzten Jahre meist darin, der Bundesliga-Konkurrenz ihre besten Spieler wegzukaufen. Das war zwar phantasielos, reichte aber bis zum letzten Jahr, als man schmachvoll Vierter wurde und Manager Uli Hoeneß die Diskrepanz zwischen Tabelle und Festgeldkonto nicht mehr ertrug. Mit Franck Ribery und Luca Toni wurden absolute europäische Topstars geholt; ein Jahr zuvor noch hatten sich die beiden im WM-Finale gegenübergestanden. Und der Erfolg kam zurück – zumindest national. Die Pflichtübungen Meisterschaft und Pokal gelangen, die Kür UEFA-Cup scheiterte jedoch. Auf internationaler Ebene ist den Bayern schon länger nicht mehr viel gelungen; schon vor dem Ausscheiden konnten die Bayern nicht überzeugen, und im Halbfinale war ein durchschnittliches Team wie Zenit St. Petersburg stark genug für eine Demontage. Auch bei anderen Spielen mit deutscher Beteiligung wurde wieder deutlich, dass deutsche Teams einfach zu langsam spielen. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff geschieht zu langsam und behäbig; mit Hochgeschwindigkeitsfußball a la Manchester United oder One-Touch-Football wie der FC Arsenal ihn bietet kann man so nicht mithalten. Die Hoffnung, den Rückstand durch teure Investitionen und punktuelle Verstärkungen aufholen zu können, hat sich für den FC Bayern nicht erfüllt. Noch nicht. Doch es gibt Hoffnung: In der neuen Saison kommt mit Jürgen Klinsmann ein Trainer, dessen Verpflichtung man sich auch in Hoffenheim gut hätte vorstellen können. Ein Querdenker und Reformer; ein Mann, der in seinen zwei Jahren beim DfB nichts gab auf Verbindungen und Traditionen, sondern gnadenlos aussortierte – zum Beispiel den verdienstvollen Torwarttrainer Sepp Maier und seinen Intimus Oliver Kahn gleich hinterher.

Er wird es schwer haben in München, seine Vorstellungen durchzusetzen, und vielleicht ist er Weihnachten schon wieder entlassen. Aber vielleicht zeigt der Verein auch Mut und Konsequenz, dem Erfolg alles unterzuordnen und lässt Klinsmann dringend notwendige Reformen auch gegen den Willen der Fans, der Medien oder sogar Franz Beckenbauers durchführen. Es ist nicht gesagt, dass Klinsmanns Maßnahmen alle richtig und von Erfolg gekrönt sein werden – aber es wurde eine Tür aufgestoßen, für den FC Bayern und damit auch für Fußballdeutschland.

F. Haller