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Heynckes - das letzte Kapitel
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Heynckes - das letzte Kapitel

orzeitige Entlassungen von Bundesliga-Trainern sind schon lange keine Seltenheit mehr; die durchschnittliche Verweildauer der Übungsleiter ist in den letzten Jahren rapide gesunken. Der Erfolgsdruck ist hoch, es geht um viel Geld, und der Trainer ist nun mal das schwächste Glied der Kette - welcher Verein wechselt schon konsequenterweise eine gesamte Mannschaft aus? Die Trainer wissen das natürlich; jeder unterschreibt mit dem Antrittsvertrag immer auch schon seine Entlassung.

Umso seltener ist es daher, wenn zwischen einem Coach und einem Verein eine engere Bindung entsteht, die neben der sportlich-geschäftlichen Basis noch eine emotionale Komponente hat: Felix Magath und Thomas Doll werden traurig und enttäuscht über ihre Entlassungen sein, aber schon bald neue, lukrative Engagements antreten können. Anders liegt der Fall bei Gladbachs Urgestein Jupp Heynckes, für den sich mit seinem Antritt im Sommer ein Kreis schloss: Hier hatte seine Karriere als höchst erfolgreicher Stürmer begonnen, hier startete er auch seine Trainerlaufbahn, die er mit dem Gewinn der Champions-League 1997 krönen sollte, und hier wollte er auch seine Karriere in Würde und Erfolg beenden. Letzteres gelang nicht; die Borussia schwebt in akuter Abstiegsgefahr, Heynckes wirkte zuletzt plan- und konzeptlos und trat nach dem 0:0 gegen Nürnberg letzte Woche zurück. Bewundernswert sind jedoch die Umstände dieses Abgangs: Zwar gab es Kritik aus dem Präsidium, aber Heynckes hätte sicherlich noch wesentlich hartnäckiger an seinem Stuhl kleben können. Zugleich empfahl er seinen Co-Trainer Jos Luhukay (den er im Winter selbst holte) als Nachfolger, wünschte diesem und dem Team mehrfach alles Gute - und war nach dessen Einstandssieg der erste, der gratulierte. Auch aus Spielerkreisen war nur gutes über den Coach zu hören; wenn schon kein Bedauern über dessen Abgang, dann doch zumindest Respekt für dessen Entscheidung
Auch wenn die salbungsvoll-pathetischen Abschiedworte von Gladbach-Präsident Königs, in Fankreisen übrigens nur “Öl” genannt, von einem “blitzsauberen Abgang” zu dick aufgetragen waren (einige aus dem Präsidium sahen sehr wohl Heynckes als das Hauptproblem der Krise an und wollten diesen loswerden), hatte er doch recht, Heynckes als einen “absoluten Ehrenmann” zu bezeichnen - als solcher tat er das einzig richtige für diesen, seinen Verein und nahm den Spielern das Alibi des umstrittenen Trainers. Gleichzeitig verzichtete er auf jegliche Gehaltsnachzahlungen - ein Schritt, den ein Horst Köppel im Sommer nicht gehen wollte.
Alles dies ist kein Grund, moralisierend oder gar sentimental in wehklagende Erinnerungen an die guten alten Zeiten auszubrechen, als Trainer und Funktionäre noch wortkarge, aber grundehrliche Arbeiter waren und Männerfreunde per Handschlag Verträge fürs Leben besiegelten, aber festzuhalten ist:
Es bleibt ein sauberes Bild vom letzten Kapitel der Heynckes-Ära - weiß Gott nicht sein erfolgreichstes, aber ein ehrenvolles.

F. Haller